Qualitätsjournalismus - Zapps Blog

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Artikel mit dem Tag „Qualitätsjournalismus”

Treffend

Gerade in den Kommentaren beim Niggemeier gelesen:

Ohne Zweifel der bislang dämlichste Artikel auf Spon seit gestern.

Hat mich doch zum Schmunzeln gebracht.

Gehacktes bei Spiegel online

Wenn ich am LHC forschen würde, wüsste ich nicht, ob ich mich über die Medien amüsieren oder grün und blau ärgern sollte.

An „Gottesteilchen“, „Urknall-Maschine“ und ähnlichen Quark hätte ich mich bestimmt mittlerweile gewöhnt, aber wie reagiert man angemessen auf den neusten Coup Deutschlands beliebtester Boulevard-Internetseite?

Hacker knacken Teilchenbeschleuniger LHC. Gefahr für das weltgrößte Experiment? Medienberichten zufolge haben sich Computerhacker Zugriff zum Betriebssystem des Teilchenbeschleunigers LHC verschafft.

Spiegel online (Screenshot vom 13.09.)

Wenn man diesen Bericht aus dem Spiegel-Wissenschaftsressort(!) mit der entsprechenden Heise-Meldung vergleicht, kann man sich bloss fragen, ob die beim Spiegel wirklich so doof oder einfach nur unverantwortlich sind.

Ich glaube, ich würde mich für das Ärgern entscheiden.

Update (14.09.2008):

Der Angestellte mit funktionierendem Bullshit-Detektor muss den Dienst angetreten haben, mittlerweile hat auch bei Spiegel online das Wörtchen Website den Weg in den Artikel gefunden. Die Stellungnahme des CERNs zum Vorfall fehlt aber immer noch.

„Deutsche“ Atomwaffen gegen den Iran?

Man müsse an der atomaren Abschreckungsstrategie festhalten, sagte der außenpolitische Sprecher der Fraktion, Eckart von Klaeden (CDU), der "Berliner Zeitung". Die Waffen müssten selbstverständlich nach den höchsten Sicherheitsstandards gelagert werden, aber "wir können nicht auf sie verzichten, solange es Nuklearwaffen auf der Welt gibt. Sie schützen auch uns".

Spiegel Online

Die nukleare Teilhabe müsse Bestandteil der deutschen Sicherheitspolitik bleiben. "Wir müssen uns auch davor wappnen, dass uns zum Beispiel ein Land wie der Iran in Zukunft zu Geiseln nimmt."

AFP

Mich würde ja mal interessieren, wie uns die maximal 44 taktischen Atomwaffen, die auf dem Luftwaffenstützpunkt Büchel gelagert werden, vor einer „Geiselnahme” durch den Iran schützen sollen.

Möchte Herr von Klaeden ernsthaft damit drohen, dass im Extremfall Bundeswehrtornados non-stop bis nach Teheran fliegen würden, um dort ihre atomare Fracht abzuwerfen? Oder denkt er daran, dass im Rahmen der nuklearen Teilhabe mit amerikanischen Atomwaffen bestückte deutsche Flugzeuge unterwegs in der Türkei einen Tankstopp einlegen würden?

Karte mit eingezeichnetem Einsatzradius des Tornados, dieser reicht gerade bis in die Türkei hinein.Ungefährer Einsatzradius eines Tornado-Jagdbombers mit Stationierungsort Büchel. Quelle: Wikipedia

Warum haken Journalisten bei so schwachsinnigen Argumenten eigentlich nicht noch mal nach?

Ein Gütesiegel für Qualitätsjournalismus?

So ganz verstehe ich ja nicht, warum immer wieder ein Konflikt zwischen klassischen Medien und den Publikationsformen im Internet herbeigeschrieben werden muss.

Es gibt in beiden Bereichen absolut hochwertige Angebote und echten Schund, jeder Bildblogleser wird sich das Lachen bei folgender Aussage kaum verkneifen können:

Was schwarz auf weiß gedruckt ist, kann man in der Regel glauben. Hinter solchen Publikationen stehen Journalisten, die sich einem Berufsethos verpflichtet fühlen und über die Chefredakteure wachen. So ist die Qualität von Berichterstattung und Analyse sicher gestellt. Im Internet weiß man oft nicht genau, ob die veröffentlichten Artikel wirklich stimmen.

taz: Ein Gütesiegel muss her

Es spricht prinzipiell nichts gegen das Gütesiegel für Qualitätsangebote, welches im taz-Artikel gefordert wird, solange es für alle Publikationsformen greift.

Wie wohl Bildzeitung und Frisörpublikationen mit der Verweigerung des Siegels umgehen würden?

SPON ist die Jugend wohl nicht schlimm genug

„Der Umgang mit Hardcore-Porno-Filmchen, die auf Teenager-Handys kursieren, trägt in der Schweiz erste Früchte: Einem Bericht zufolge gehen Jugendliche heutzutage lieber ins Bordell als ins Kino oder in die Eisdiele.”

So leitet Spiegel Online den Artikel Minderjährige Freier - Teenager gehen gern ins Bordell ein, in dem sich die Autoren auf einen Bericht in der heutigen Ausgabe der Schweizer 20minuten beziehen. Wo sie in dem betreffenden Artikel (Trend: Teenager als Bordellgäste) die Aussage gefunden haben, dass Jugendliche mittlerweile lieber ins Bordell als ins Kino gehen, ist mir allerdings schleierhaft.

Vielmehr findet sich in der Schweizer Gratiszeitung ein paar Seiten hinter dem Bordell-Artikel folgendes: Neun von zehn Jugendlichen gehen sehr gerne ins Kino.

Da drängt sich doch nun die Schlussfolgerung auf, dass in der Welt von Spiegel Online zehn von zehn Jugendliche gerne in den Puff gehen.

Schade, dass ein durchaus interessantes Thema («Oft verlangen sie Praktiken, wie man sie aus den Internet- und Handy-Pornos kennt, die unter den Jugendlichen kursieren.») unbedingt auch noch billig aufgebauscht werden muss.

Sein und Schein

Ich mag die gedruckte Zeit, aber bei der Übertragung ins Onlineangebot muss beim Artikel „Granaten im Schlick” wohl etwas schief gelaufen sein.

Überschrift im Feedreader und Titel der Seite:

Schweiz: Munition in Alpenseen lässt Fische mutieren

Kernsätze im Artikel:

»Experimente zeigten, dass sich TNT und dessen Abbauprodukte im Schlick langsamer ausbreiten, als sie von neuem Sediment überdeckt werden.« Die Schadstoffe gelangen also nicht ins freie Wasser.

Für den Thuner See hat man gerade so viel nachgewiesen, als wäre der Sprengstoff einer einzelnen Artilleriegranate im 17,5 Kilometer langen See verstreut worden.

Im Bieler See liegt keine versenkte Munition. [...] Und da die Felchen im Bieler See trotz der höheren Belastung mit Sprengstoff gesund sind, scheint die Munition endgültig vom Verdacht entlastet, die Fische im Thuner See zu verunstalten.

Kann es sein, dass der zuständige Internetredakteur den Artikel nicht gelesen hat?

Jugendgewalt

Ich kann Deutsche Nachrichten wegen des schwachsinnigen Wahlkampfgetöses, dem dort grosser Raum eingeräumt wird, mittlerweile ja kaum noch aushalten, aber falls sich jemand noch ernsthaft damit auseinandersetzen möchte, habe ich zwei Linktipps zum Thema Jugendgewalt:

Ich werde bis Ende des Monats wohl weiterhin vor allem die Schweizer Nachrichten verfolgen, hierzulande ist der Wahlkampf ja zunächst mal Geschichte.

Warum der Newsfeed der NZZ bei mir aus dem Newsreader fliegt:

RSS-Feed, in dem jeder Artikel dreimal vorkommt.

Ohne Worte.

Die Welt ist in Ordnung

Titelseite der Boulevardzeitung Blick: Die Schande von Bern: Deutsche Chaoten wüteten!

Gott sei Dank, es waren nicht die Schweizer. ;-)

Im mit „Chaoten: Man spricht Hochdeutsch” überschriebenen Artikel im Innenteil erfährt man dann aber, dass unter den zweiundvierzig in Bern Festgenommenen genau ein Ausländer war: Ein Franzose.

Passend zum Thema gebloggt:

Reisegedanken II

  • Die SBB setzen auf ihren Auslandsstrecken wirklich ihr ältestes Rollmaterial ein.
  • Die Geschichte mit den Schlachtabfällen im Schokoriegel ist heute noch genauso schwachsinnig wie vor vier Monaten.
  • Absolute Sehempfehlung: Igudesman & Joo. Jeder, der auch nur das geringste Interesse an klassischer Musik hat, sollte sich die Show dieser beiden Musiker nicht entgehen lassen.