Myanmar - Zapps Blog

Direkt zum Inhalt




Artikel mit dem Tag „Myanmar”

Free Burma!

Free Burma!

Wie zu erwarten war, ist Myanmar mittlerweile wieder weitgehend aus den Fernsehnachrichten verschwunden. Wohl nicht zuletzt, weil es keine telegenen Bilder von demonstrierenden Menschen mehr gibt.

Dabei ist die Lage im Land alles andere als normal, wenn man Spiegel Online glauben kann, gibt es Todeskommandos und Mönche scheinen weitgehend aus dem Stadtbild von Rangun verschwunden zu sein. Sollten die Militärs mit ihrer Strategie der Unterdrückung jedes Widerstandes etwa wieder erfolgreich gewesen sein? Die Zeit ist da etwas hoffnungsvoller: Geist gegen Gewalt.

Bleibt die Frage: Was tun?

Symbolisch Solidarität bekunden, durch einen Eintrag in die Unterschriftenlisten auf free-burma.org und avaaz.org? Aktiver werden und Amnesty International bei der Briefaktion zugunsten von Gefangenen der Militärjunta unterstützen? Firmen, die mit der Junta in Myanmar Geschäfte machen, boykottieren und insbesondere keine Pauschalreisen in dieses Land unternehmen? Nicht bei Total tanken? Oder vielleicht gerade doch?

Das mag jeder Leser für sich selbst entscheiden, einige Denkanstösse finden sich in den Artikeln und Kommentaren des Spiegelfechters.

Bisher zum Thema gebloggt:

Der Pöbel war’s

„Der burmanische Außenminister Nyan Win verurteilte bei der Uno-Vollversammlung in New York "politische Opportunisten" im In- und Ausland, die sein Land vom Weg der Demokratisierung abbringen wollten. Er bezeichnete die von Mönchen angeführten Demonstranten als provozierenden "Pöbel", gegen dessen Ausschreitungen das Regime habe einschreiten müssen. Die Sicherheitskräfte hätten äußerste Zurückhaltung geübt und fast einen Monat lang nicht in die Proteste eingegriffen. Schließlich hätten sie handeln müssen, um die Ordnung wiederherzustellen.“

Spiegel online

Bekommt man als UN-Delegierter eigentlich ein spezielles Training, um solche Propagandareden aushalten zu können, ohne in Gelächter, Buhrufe oder anhaltendes Kopfschütteln auszubrechen? Oder ist das vielleicht der eigentliche Grund, warum bei umstrittenen Rednern gerne ganze Delegationen den Saal verlassen?

Free Burma?

Ich muss zugeben, dass auch ich zunächst Bauchschmerzen dabei hatte, an dieser Aktion teilzunehmen (und das nicht nur, weil ich Myanmar für den besseren Namen halte), habe mich aber letztlich entschlossen, doch mitzumachen.

Von Kritikern wird momentan beispielsweise ins Feld geführt, die ganze Aktion sei heuchlerisch, 90% aller Teilnehmenden hätten vorher nie etwas von Myanmar gehört; es ginge bei der Situation im Land eh nur um die Interessen des Grosskapitals und man möge doch nicht so naiv sein; man solle doch lieber auf die Strasse gehen und "real" demonstrieren; kurzum, es sei geheuchelte Kinderkacke.

Warum trotzdem mitmachen? Gestern lief im SWR-Fernsehen eine Sendung mit Frank Elstner, der einen in Deutschland lebenden Mönch aus Myanmar als Gast hatte und ausserdem ein Interview mit dem Mitarbeiter einer Hilfsorganisation in Bangkok führte. Auf die Frage, was man als einzelner denn nun machen könnte, antworteten beide sinngemäss, dass es darum ginge, Myanmar im Gespräch zu halten und Solidarität zu zeigen, und wenn es nur über ein rotes T-Shirt sei.

In die gleiche Richtung gehen ein paar Sätze von Robert:

Ich kann mich als Kroate daran erinnern, dass es uns sehr viel bedeutet hat, dass viele Menschen da draußen zu Zeiten des Krieges “an uns” gedacht haben. Das alleine hat vielen unglaublich viel Kraft gegeben. Das Gefühl alleine zu sein, zerstört selbst die kleinsten Hoffnungen.

Auch wenn fraglich ist, inwieweit die Leute in Myanmar von einer Blogaktion etwas mitbekommen können, so wird sie auf jeden Fall von ihren in Europa lebenden Landsleuten wahrgenommen und stärkt diesen eventuell wenigstens etwas den Rücken. Es mag vielleicht nur eine Art Lichterketten-Aktionismus sein, wie es ihn in den 90ern gegen den Rechtsextremismus gab, aber was soll’s? Ich habe mein Blog, um meine Meinung und meine Sicht der Welt zu veröffentlichen, warum sollte ich es in diesem Fall nicht tun, nur um mich nicht dem Verdacht auszusetzen, naiv zu sein?

Was spricht gegen so eine Aktion, auch wenn sie praktisch vielleicht nicht viel bewegen kann? Dass jeder so einfach daran teilnehmen kann? Ist es besser, wenn man den Hintern hoch bekommt und real demonstriert? Und schliesst sich beides gegenseitig aus? Den Termin der Mahnwache in Bern habe ich letzte Woche verpasst, soll ich jetzt lieber gar nichts mehr tun? Und ja, es gibt viele Länder, in denen es ähnlich grausam zugeht, wie in Burma und man muss sich auch um die Lage der Grundrechte im eigenen Land kümmern, aber sind das Argumente gegen so eine Aktion? Ich habe kein Problem damit, Schäubles Grundrechtsabbau zu kritisieren und ja, für mich ist auch Darfur noch präsent. Was ist so schwer daran zu verstehen, dass man das eine tun und das andere nicht lassen kann? Ist es wirklich kritikwürdig, wenn man sich jetzt für ein Land einsetzt, dass man vor drei Wochen noch nicht gekannt hat (was für mich übrigens nicht zutrifft)?

Dann wäre da noch das Argument mit der Backlinksammelei. Diesen Vorwurf finde ich geradezu widerwärtig. Ja, Teilnehmerlisten sind ein Bestandteil solcher Aktionen, und nach der Grundgesetz-für-Schäuble-Aktion fand ich es schon ziemlich seltsam, dass mit meinem Blognamen als Suchbegriff plötzlich dutzende von Listen aufgetaucht sind. Aber was soll’s, das Gefühl nicht alleine zu sein, animiert offensichtlich zum mitmachen, und somit haben diese Listen wohl auch etwas gutes. Von der Aussenwirkung mal ganz abgesehen, klassische Medien mögen nun mal grosse Zahlen. Um es ganz klar zu sagen: Ich hätte gar nichts dagegen, wenn jeder Link, der im Rahmen dieser Aktion auf mein Blog führt, mit einem rel="nofollow" versehen wird. Pagerank wird eh überbewertet und echte Besucher kommen nach meiner Erfahrung kaum über solche Massenlisten ins Blog. Allein schon aus diesen Gründen ist der „Backlinksammelvorwurf” in meinen Augen daneben.

Manchmal bin ich ganz froh, nicht zur Gruppe der abgeklärten Fatalisten zu gehören, die hinter allem und jedem erst mal die grosse Weltverschwörung des Grosskapitals bzw. der CIA vermuten und jede Initiative erst mal kritisieren ohne bessere Ideen zu haben. Und manchmal frage ich mich, was wohl 1989 im Vorfeld des 9. Novembers bei Heise im Forum gestanden hätte.

In diesem Sinne:

Free Burma!

Bisher zum Thema gebloggt:

Blogger für Myanmar

Es tut sich mal wieder etwas in der Blogosphäre, diverse Initiativen zum Thema Myanmar sind angelaufen. Da gibt es zum einen die u. a. von Robert Basic initiierte Aktion Free Burma, die für den kommenden Donnerstag zu einem Blog-Aktionstag aufruft, und andererseits jede Menge Blogs, die Informationen zur Lage im Land zusammentragen. Beispielhaft sei mal wieder auf den Spiegelfechter hingewiesen.

Auch wenn man viele der aktuellen Meldungen hinsichtlich ihres Wahrheitsgehaltes sicher mit Vorsicht geniessen muss und eine Blogaktion im fernen Deutschland eine skrupellose Militärjunta, die sich wiederholt um die Meinung der Weltöffentlichkeit einen Dreck geschert hat, wahrscheinlich kaum beeindrucken wird, gibt es so doch immerhin eine Möglichkeit, seine eigene Solidarität und Fassungslosigkeit auszudrücken.