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Glück gehabt

Manchmal bin ich als bekennender Fremdschämer schon froh, dass die Deutschen nicht in Bern spielen. Somit bleiben einem wenigstens die schlimmsten Auswüchse heimatlicher Kultur erspart.

Rund um die „Fanzone Klagenfurt“ sind wir jungen, zum Teil sehr jungen weiblichen Deutschland-Fans begegnet, die T-Shirts mit der Aufschrift trugen: „Ich bin geil, aber nicht verzweifelt.“ Und jungen Männern in kurzen Hosen mit weißen Beinen, die mit strenger, nicht mehr ganz stabiler Stimme „Mäuschen“ riefen – um die Aufmerksamkeit der Bedienung zu gewinnen, auf dass diese ihnen dann einen „Ballermann-Kübel Sangria“, 19 Euro 90 das Stück, serviere. Das alles zu rüden Rhythmen und Wolfgang Petrys „Waaahnsinn – ich geh’ für Dich durch die Hölle.“

Zeit online: Hölle, Hölle, Hölle!

Momentan stellt hier noch die einheimische Bevölkerung den Grossteil der betrunkenen Jugendlichen, seit gestern werden allerdings auch vermehrt mehr oder weniger fantasievoll orange gekleidete Menschen in der Innenstadt gesichtet.


Kurze Richtigstellung

Bevor ich mich gleich zum Public Viewing und dem EM-Eröffnungsspiel Schweiz - Tschechien aufmache, noch eine kurze Richtigstellung.

Wenn Spiegel Online schreibt:

Ob beabsichtigt oder nicht, ganz im Stil der idyllischen Ferienkulisse gestaltet sich auch die Berichterstattung, mit der das Alpenvolk auf das große Turnier eingestimmt wird. Wohlfühlen ist angesagt, Kontroverses nicht, beziehungsweise nicht mehr.

scheint der zuständige Redakteur die NZZ, die er später auch zitiert, nicht besonders aufmerksam verfolgt zu haben.

Dort wurde nämlich gestern schon das Vorrunden-Aus der Nati verkündet:

Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft wird – man mag das höchst bedauerlich finden – aller Voraussicht nach am 15. Juni, nach den drei Vorrundenspielen, die Segel streichen. [...]

Schwerer als die motivatorischen und physischen Probleme in Angriff und Abwehr wiegt aber die bis jetzt nicht erkennbare taktische Ausrichtung des Teams. [...]

Das Schweizer Spiel wird in der – vielleicht auch noch regennassen â€“ Sackgasse enden.

Das klingt für mich nicht besonders nach überall fehlender Kontroverse.

Natürlich ist dieser Kommentar momentan eher die Ausnahme, aber vor einem Eröffnungsspiel würden wohl auch nur die Deutschen gross angelegt über die eigene Mannschaft herziehen. ;-)

Ausserdem steht der künftige Fussball-Europameister eh schon fest: Österreich

Den ganzen Film gibt es erfreulicherweise auch online.


Studie zu Handy-Gefahren: Alles Fälschung?

Die Wissenschaft hat einen neuen Fall, bei dem Messergebnisse gefäscht wurden, um besser zur eigenen Theorie zu passen. Diesmal hat eine Laborantin zugegeben, Daten zu einer Studie, die sich mit den Auswirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern auf das Erbgut befasst, gefälscht zu haben.

Und schon blühen die Theorien, wer von welcher Industrie bezahlt wurde. War die Beurteilung der beanstandeten Arbeit unfair, weil einer der Gutachter angeblich als Jurist bei einem Unternehmen der Mobilfunkindustrie beschäftigt ist (golem.de), oder besteht bei einem der Coautoren des beanstandeten Papers ein Interesse daran, eine mögliche krebsauslösende Wirkung von Handys aufzubauschen, weil er als Lobbyist für die Tabakindustrie so von der Schädlichkeit des Rauchens ablenken kann (Laborjournal)?

Eigentlich wäre das ganze ja ziemlich einfach: Wenn jemand die Ergebnisse der Paper von Diem et al. und Schwarz et al. reproduzieren kann, spricht einiges für die Richtigkeit der Ergebnisse, wenn nicht, spricht einiges dagegen. Zumindest die Ergebnisse von Diem et al. liessen sich bislang nicht unabhängig reproduzieren, ein weiterer Reproduktionsversuch wird gerade an einer dritten Uni durchgeführt.

Aber selbst bei diesem in der Wissenschaft ganz normalen Prozedere bleibt am Ende wohl die Frage, wem man glauben will, ein Verschwörungstheoretiker kann sich eine der beiden Seiten aussuchen und der anderen schlicht Manipulation vorwerfen. Das rein physikalische Problem, dass kein Wirkmechanismus bekannt ist, nach dem die relativ energiearmen „Handystrahlen” einen DNA-Strangbruch bewirken können, hilft da wohl auch nicht weiter.

Interessant ist auch die Berichterstattung über den Fall: Während golem.de den ersten Artikel zum Fall mit dem schlichten und beleglosen Satz

Laut Experten gibt es jedoch weitere Studien, die gentoxische Wirkungen von elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks festgestellt haben.

abschliesst, heisst es bei der NZZ

Laut Primo Schär vom Departement Biomedizin der Universität Basel waren die zwei Wiener Studien bisher die einzigen Arbeiten, die von Strangbrüchen im Erbgut durch Handystrahlung berichteten.

Zumindest zwei Medienvertreter scheinen ihren jeweiligen Standpunkt schon gefunden zu haben.

Ich möchte noch mal ausdrücklich die Berichterstattung des Laborjournals empfehlen, das sich schon vor dem Geständnis der Laborantin mit diesem Fall befasst hatte. Hier werden auch die wissenschaftlichen Grundlagen der Studien und die statistischen Gründe für die ursprünglichen Zweifel an ihnen erläutert.


Meine weibliche Seite

Heute habe ich 1½ Stunden in einem Geschäft verbracht und Schuhe anprobiert.

Ersatz zu finden ist gar nicht so einfach. ;-)


Wii = E.T.?

Wenn man sich einen Überblick über aktuelle Methoden der Marktforschung verschaffen möchte, lohnt es sich, einen Blick in die Datenschutzerklärung zum Club Nintendo zu werfen.

Da finden sich so Perlen wie:

Wenn Sie eine Wii-Konsole besitzen [...] wird Nintendo Informationen über die Art und Weise, wie Sie Ihre Wii-Konsole und den Wii-Netzwerk-Service nutzen, verwenden. Dies beschränkt sich nicht nur auf Informationen über die Spiele, die Sie herunterladen und/oder spielen oder wie lange Sie sie spielen.

Das nicht nur im zweiten Satz finde ich sehr interessant. Ob die Wii dann wohl auch mein per Wii Fit ermitteltes Gewicht an die Japaner überträgt? Würde ich deshalb in Zukunft verstärkt Werbung von Burgerbratern oder Fitnessmagazinen bekommen?

Ich habe mal davon abgesehen, diesem Club beizutreten, und frage mich nun, welche Daten die Konsole jetzt schon nach Hause schickt.

Den Kauf des Browsers per Kreditkarte und die damit verbundene Möglichkeit, die dabei verwendete Konsole mit meinen personenbezogenen Daten zu verbinden, bereue ich schon fast.

Oder ist das Paranoia?


Hackfressen

Dänische Hackfressen beim Gedenkmarsch für Hackfresse Heß.

Bei der taz halten sie mit ihrer Meinung echt nicht hinter dem Berg.


Letzte Rätsel I

Warum wurde bei einem ICE, der heute ausnahmsweise nur bis Offenburg fuhr, trotzdem Basel als Ziel angegeben?


Ein völlig durchdachtes Konzept

In Berlin wurde heute im Beisein des Bundespräsidenten die „Hall of Fame des Deutschen Sports” vorgestellt.

Für den überaus gelungenen Namen gibt es von mir den Verweis auf ein tolles Lied von den Wise Guys und für die Tatsache, dass die Ruhmeshalle, die ein bleibendes Forum für die großen Athletinnen und Athleten sein soll, nicht mal eigene Räumlichkeiten besitzt, ein breites Grinsen.


Trans Swiss Trail: Bern – Laupen

Nachdem nun endgültig der Frühling ausgebrochen zu seien scheint, war es heute höchste Zeit, die Sommerwandersaison zu eröffnen. Für einen sanften Start habe ich mir eine weitgehend flache Strecke ausgesucht, die Etappe des Trans Swiss Trails von Bern ins historisch eng mit Bern verbundene Laupen.

Von meiner Haustür aus ging es zunächst durch den in frischem grün strahlenden Könizbergwald nach Bindehus, weiter nach Mengestorft und von dort aus in den bezaubernden Scherligrabe. Nun ging es immer dem Wasser nach, von Thörishaus bis kurz vor Laupen verlief der stark genutzte Weg entlang des rechten Saaneufers.

Direkt an der Saane habe ich dann auch Mittagsrast gemacht. Es ist übrigens keine gute Idee, sich stark an seinen Rucksack zu lehnen, wenn man darin einen Becher Joghurt transportiert â€¦

Das letzte Stück nach Laupen hat sich etwas gezogen, der Weg entlang der Bahnlinie hat mit dem abwechslungsreichen Stück von Bern nach Thörishaus nicht wirklich mithalten können. Dafür entschädigte dann aber das Städtchen Laupen mit seiner malerischen Altstadt, über der das Schloss thront.

Für die Strecke habe ich 4.5 Stunden reine Wanderzeit gebraucht und dabei leider die Sonne total unterschätzt. An meinem Sonnenbrand kann man erkennen, in welche Himmelsrichtung der Weg geführt hat. ;-)

  • Ein querliegender Baumstamm blockiert den Wanderweg
  • Panoramabild mit grünen Wiesen, im Hintergrund die Alpen.
  • Bauernhaus mit weidenden Lamas im Vordergrund
  • Kleiner Bach mit Wanderweg daneben
  • Männer, die auf einer Wiese Schilder in die Luft werfen.
  • Breiter Fluss mit breitem Schotterweg daneben.
  • Schloss Laupen
  • Kirche von Laupen

PS: Weiss zufällig jemand, warum man Rindern so seltsame Nasenringe verpasst?


Wii: Browsen für Fortgeschrittene

Ich bin neuerdings stolzer Besitzer einer Wii und habe mir neben einem Muskelkater natürlich auch gleich den zur Konsole passenden Opera-Browser zugelegt.

Das Ding macht einen halbwegs brauchbaren Eindruck, wenn man sich die begrenzte Auflösung eines Nicht-HD-Fernsehers vor Augen hält. Mit der automatischen Zoomfunktion vergrössert er ausgewählte Container, was aber leider auch nicht immer ausreicht, um eine lesbare Schriftgrösse zu erreichen. Mit manuellem weiterzoomen und einem horizontalen Scrollbalken geht es dann aber immer, liquide Layouts sind klar im Vorteil.

Mit Ajax & Co kommt der Browser prinzipiell klar, wird aber bei damit stark angereicherten Seiten recht langsam. Bis sich bei Netvibes ein eingeblendeter Feed schliesst, vergeht ein merkliches Weilchen. Ausserdem scheint die Unterstützung nicht ganz stabil zu sein. Der Google-Reader, der scheinbar sogar für den Wii-Browser optimiert sein soll, schafft es reproduzierbar, die ganze Konsole zum Einfrieren zu bringen. Dann hilft nur noch ein beherzter Griff zum Power-Schalter.

Ich bin noch auf der Suche nach einem Online-Feedreader, der mit der Wii wirklich gut zu gebrauchen ist, und bei dem man vielleicht auch die Schriftgrösse online einstellen kann. Die Artikelfenster von Netvibes sind zu klein, Bloglines gefällt mir nicht und Google ist nicht stabil â€¦

Flash wird momentan nur bis Version 7 unterstützt, das heisst, dass YouTube-Videos auf dem Fernseher genossen werden können, neuere Anwendungen, wie das Southpark-Archiv, aber nicht funktionieren. PDFs werden nicht unterstützt.

Die Navigation mit der Wiimote ist recht problemlos. Textfelder füllt man, indem man mit der Wiimote auf einer virtuellen Tastatur die Buchstaben auswählt. Das geht erstaunlich schnell, gestern habe ich so spasseshalber auch mal einen Blogkommentar geschrieben. Dummerweise gibt es aber keine die Möglichkeit, mit der Wiimote Text zu kopieren, und auch ein benutzerdefiniertes Wörterbuch fehlt. Der Browser merkt sich ebenfalls keine Eingaben in Formularfeldern. So muss man einzelne Textbausteine, wie beispielsweise Login-Namen, immer wieder neu eintippen, statt auf einen Vorrat zurückgreifen zu können.

Eine Tastenkombination für „Zurück” und die Möglichkeit eine benutzerdefinierte Startseite einzurichten, die von überall her mit nur einem Klick zu erreichen wäre, vermisse ich ebenfalls.

Praktisch ist die Funktion der Konsole, aufzuleuchten, wenn auf der Wii-Pinnwand eine neue Nachricht eingeht. Diese Benachrichtigung funktioniert auch, wenn sich die Konsole im Standby-Modus befindet, sie kann also als einfacher E-Mail-Wächter funktionieren. Die Pinnwand nimmt allerdings nur Mails entgegen, die von einer ihr bekannten Adresse stammen. Daher habe ich für meine wichtigsten und weitgehend spamfreien Mailkonten eine Weiterleitung auf eine gmx-Adresse eingerichtet und dort einen Filter eingerichtet, der dafür sorgt, dass der Inhalt der Mails an die Wii weitergeschickt wird. Das Konto der Konsole bekommt so als Absender immer die gmx-Adresse präsentiert und stellt die Mails auf der Pinnwand dar. Das kann eine richtige Mailverwaltung nicht ersetzten, ist aber ein ganz nettes Zusatzfeature.

Hauptvorteil der Wii gegenüber dem grossen Rechner ist die schnelle Startzeit und die problemlose Verfügbarkeit. Ich bin mal gespannt, ob sich meine Internetnutzung dadurch ändern wird.