Beiträge zum Thema „Bloginternes und Privates”
Reisegedanken III
In Deutschland geht der Trend eindeutig zum Buch. Nicht nur, dass der Einkauf von Reiselektüre durch die langen Schlangen an den Kassen der Grossbuchhandlung erschwert wurde, auch öffentliches Vorlesen scheint wieder gesellschaftsfähig zu sein.
Im Regionalexpress äusserte sich das darin, dass sich vier Mädels gegenseitig aus einem mir unbekannten Buch vorlasen und dabei nicht mit Kommentaren sparten („Wie kann man bloss so blöd sein!”), während im ICE ein Vater seinem Sohn sehr ausdauernd und mit viel Engagement aus Harry Potter vortrug.
Vielleicht sollte die Bahn neben Handy-Zonen zukünftig auch Vorlese-Zonen einführen. ;-)
Links zum Artikel "Reisegedanken III":
Fahrplanwechsel mit Nebenwirkung
Am 9. Dezember stand mal wieder der Fahrplanwechsel bei Bahn und Bus an, der einige Verbesserungen mit sich brachte.
Der Lötschberg-Basistunnel ist nun regulär in den Fahrplan integriert und verkürzt die Reisezeit in den Süden gewaltig, der Berner Bahnhofsplatz hat den schlimmsten Bauabschnitt hinter sich und fast alle Busse und Trams verkehren wieder wie gewohnt (1) und ausserdem gibt es nach Mitternacht jeweils eine zusätzliche reguläre Bus- und Tramverbindung in alle Stadtteile.
In meine Freude mischt sich allerdings etwas Verärgerung, seitdem ich meine Fahrkarte für die Fahrt zum Verwandtenbesuch in Deutschland gekauft habe. Bislang konnte man einiges sparen, wenn man auf der Fahrt Richtung Köln auf den ICE verzichtete und stattdessen den Intercity benutze, der noch dazu die malerische Rheinstrecke entlang fuhr. Die um eine Stunde längere Fahrzeit fiel bei einer Reisedauer von sechseinhalb Stunden kaum ins Gewicht, wo bekommt man fürs Zeit totschlagen schon einen Stundenlohn von 20 EUR?
Leider wurde nun aber offensichtlich das Preissystem geändert und man muss bei internationalen Fahrkarten nun die Strecke bezahlen, unabhängig davon, welchen Zug man benutzt. Natürlich wurde für die Berechnung des Streckenpreises der ICE-Fahrpreis herangezogen, sodass sich die Fahrt insgesamt deutlich verteuert.
Bei einem internationalen Sparpreisangebot (inklusive Vorausbuchung, Halbtaxberücksichtigung und Zugbindung) von 245 CHF für die Rückfahrkarte komme selbst ich als überzeugter Bahnfahrer langsam ins Grübeln, ob ich nicht auf den Umweltschutz pfeifen und das nächste mal fliegen sollte.
1) Die hübsche Werbung von Bernmobil trägt übrigens die Überschrift „Ost und West wieder vereint” ;-)
Links zum Artikel "Fahrplanwechsel mit Nebenwirkung":
Vorweihnachtsnotizen
- Gestern zum ersten mal in diesem Jahr mit "Do they know it’s Christmas" beschallt worden. Und schon sitzt der Ohrwurm wieder.
- Festgestellt, dass der günstige 2 kg-Sack Clementinen nicht singletauglich ist, wenn man sich nicht ausschliesslich von Citrusfrüchten ernähren möchte. Dabei die persönliche Genussschwelle von drei bis vier Clementinen auf einmal herausgefunden.
- Gestern 18 Flaschen Rioja für Glühwein vorbestellt. Ob das wohl reicht?
- Die Silvestergrobplanung steht. Gefeiert wird in Bern und ohne grosse Böllerei. Das Feuerwerk ist hier eh eher enttäuschend, die Schweizer jagen ihr Geld lieber am 1. August in die Luft.
Links zum Artikel "Vorweihnachtsnotizen":
Zapps Glühwein
Man nehme:
- Rotwein
Hier nicht an der falschen Stelle sparen, je besser der Wein, desto geringer die Kopfschmerzwahrscheinlichkeit. Ich nehme immer spanischen Rioja, den ich auch pur trinken würde.
- Zimtstangen
- Ganze Nelken
- Orangen, geschält und in Scheiben geschnitten
- Zucker nach Belieben
Alles in einen Topf geben, ganz kurz aufkochen und anschliessend ein paar Minuten knapp unter dem Siedepunkt weitersimmern lassen. Gegebenenfalls direkt aus dem Topf ausschenken und auf die Nelken hinweisen, oder als mobile Variante durch ein Sieb in eine Thermosflasche abfüllen.
Von Verdünnungsexperimenten mit Wasser oder Saft halte ich nichts. Wenn schon Glühwein, dann richtig und ggf. etwas weniger.
PS: Am hier erwähnten Glühwein waren 500 ml Rioja, zwei durchgebrochene Zimtstangen, etwa fünf Nelken, eine Orange und ca. zwei Esslöffel Zucker beteiligt.
Links zum Artikel "Zapps Glühwein":
Bahnstreik und IKEA
Während heute alle TGV zwischen Bern und Paris ausgefallen sind, habe ich selbst zwei ICE aus bzw. nach Deutschland im Berner Bahnhof gesehen.
Die Franzosen sind offensichtlich die effizienteren Bahnstreiker. ;-)
-
Apropos Bahn: Bislang erntete ich immer Lacher, wenn ich erzählt habe, dass ich mal mit einem Miet-Smart beim schwedischen Möbelhaus war. Seit heute kann ich sagen, dass ich auch mal zu Fuss über Felder und Wiesen hingewandert bin.
Wegen des starken Schneetreibens habe ich für den Rückweg nach Burgdorf dann aber doch den Bus genommen. :-)
Links zum Artikel "Bahnstreik und IKEA":
Es ist passiert!
Die Weihnachtssaison hat begonnen und meine Langzeit-Diät eine Pause eingelegt:
Heute wurde der erste Baumkuchen in diesem Jahr gekauft.
Links zum Artikel "Es ist passiert!":
Im Schlaf
So ganz zögerlich schubst mir wajakla ein Stöckchen zu, und fragt sich, ob ich sowas überhaupt mag. Ich habe keine Ahnung, es ist doch glatt mein erstes.
Also frisch ans Werk:
- 1. Lieblings-Schlafklamotte?
- Der „klassische” Schlafanzug. Aber bitte nicht potthässlich.
- 2. Lieblings-Bettwäsche?
- Da zitiere ich doch mal wajakla: „Baumwolle, möglichst blau oder blau-gemustert.”
- 3. Lieblings-Schlafposition?
- Gibt’s sowas? Ich glaube, ich schlafe meistens auf dem Bauch ein.
- 4. Hast du ein Einschlafritual?
- Abgesehen von der Bettlektüre? Nein.
- 5. Hast du ein Kuscheltier, Knuddelkissen o.ä.?
- Nö.
- 6. Was machst du, wenn du nicht schlafen kannst?
- Nochmal die Bettlektüre hervorkramen. Wenn es ganz schlimm kommt, durchs Nachtprogramm zappen und mich über die Anrufsendungen aufregen, bis ich eine Reportage gefunden habe.
- 7. Wie groß ist dein Bett?
- 140 x 200 cm. Die Bettwäsche ist grösser. ;-)
- 8. Wie viele Kissen hast du?
- Zwei, allerdings keine Monsterkissen.
- 9. Linke oder rechte Seite?
- Mitte-rechts. Der Vorteil des Single-Daseins.
- 10. Wie lässt du dich wecken?
- Per Radiowecker, meistens mit den Nachrichten.
- 11. Stehst du direkt auf oder bleibst du liegen?
- Gegebenenfalls werden noch die Nachrichten zu Ende gehört, dann geht es sofort raus aus den Federn. Sonst wird das nämlich gar nichts mehr.
- 12. Dein erster Gedanke am Morgen?
- Kaffee!
- 13. Was machst du, um wach zu werden?
- Duschen, ohne Dusche und zwei grosse Tassen Kaffee bin ich nicht wirklich zu gebrauchen.
Ich werfe das Stöckchen dann auch gleich mal ziemlich weit von mir weg, und hoffe, dass Reizzwecke es fangen kann. Oder ist es unschicklich, Damen bezüglich ihrer Schlafgewohnheiten auszuquetschen? Das würde mich allerdings auch nicht davon abhalten. :-)
Links zum Artikel "Im Schlaf":
Statusbericht
Ich habe gerade
- wegen meiner gerade ausgestandenen Krankheit beruflich noch einiges um die Ohren
- ein schönes neues dickes Buch zu lesen
- einen Festivalpass für das hiesige Kurzfilmfestival
- mir überhaupt vorgenommen, meine Freizeit bzw. Internetnutzung mal wieder etwas bewusster zu gestalten
und daher
- relativ wenig Gelegenheit zum Bloggen.
Links zum Artikel "Statusbericht":
Datenschutz im Blog
Im März hat das Amtsgericht Berlin dem Bundesjustizministerium untersagt, personenbezogene Daten über das Ende des jeweiligen Nutzungsvorgangs hinaus zu speichern.
Diese personenbezogenen Daten umfassen ausdrücklich auch die IP-Adressen.
Angesichts der bekanntgewordenen Praktik des Bundeskriminalamts, die Besucher bestimmter BKA-Seiten regelmässig über eine Provideranfrage an Hand ihrer IP-Adresse zu identifizieren, mag diese Entscheidung begrüssenswert sein. Andererseits weist Robert Basic in zwei Artikeln auf mögliche Konsequenzen dieses Urteils für Otto-Normal-Webmaster hin. Ob die momentan nur das Justizministerium betreffende Entscheidung eines unteren Gerichtes wirklich zu weiteren Prozessen und Abmahnungen führen wird, wird man sehen, allerdings sieht sich Patrik Breyer vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung bemüssigt, in einem Telepolis-Interview folgendes klarzustellen:
„Zunächst einmal kann Klage nicht nur gegen Behörden erhoben werden, sondern auch gegen private Betreiber von Telemediendiensten im Internet, die unzulässigerweise das Nutzerverhalten personenbeziehbar protokollieren, so auch Heise Online.”
Eine grosse Breitenwirkung ist also durchaus beabsichtigt.
Mich hat diese ganze Geschichte dazu gebracht, mal über den Datenschutz und die Speicherung von Nutzerdaten im eigenen Blog nachzudenken, und herausgekommen ist dabei dieser ziemlich lange Artikel.
Relevante Daten fallen hier an mehreren Stellen an:
- Die IP-Adressen und andere Informationen, die über jeden Besucher der Seite ausgelesen werden können (Browser, Betriebssystem, Auflösung etc.), können vom Server und ggf. von Countern gespeichert werden.
- Prinzipiell die gleichen Daten fallen beim Abruf des RSS-Feeds an.
- Beim Schreiben von Kommentaren werden weitere Daten erhoben, die von Wordpress gespeichert werden (Name, Mailadresse, IP, ggf. Homepage).
- Angemeldete Benutzer haben bei ihrer Registrierung ebenfalls mindestens Mailadresse und Namen angegeben. Weitere Informationen können freiwillig preisgegeben worden sein.
- Für einige Komfortfunktionen setzt das Blog Cookies ein.
Die datenschutzrelevanten Vorgänge lassen sich also in drei Klassen unterteilen:
-
Unbewusst preisgegebene Daten von Besuchern
(Punkte 1 und 2)Serverlogs
Standardmässig speichert der Webserver folgende Daten bei jedem Zugriff auf eine Webressource: IP-Adresse, Datum und Uhrzeit, angeforderte Ressource, Referer (darin sind ggf. Suchbegriffe identifizierbar), Browserinformation.
Protokollzeilen sehen dann beispielsweise so aus, die IP-Adressen habe ich manuell anonymisiert, im Protokoll sind sie vollständig:
81.62.xxx.xxx - - [04/Oct/2007:01:35:05 +0200] "GET /2007/09/30/free-burma/ HTTP/1.1" 200 24155 "http://www.google.ch/search?q=%22Free+Burma%22&hl=de&client=firefox-a&rls=org.mozilla:de:official&start=40&sa=N" "Mozilla/5.0 (Windows; U; Windows NT 5.1; de; rv:1.8.1.7) Gecko/20070914 Firefox/2.0.0.7" 81.62.xxx.xxx - - [04/Oct/2007:01:35:06 +0200] "GET /wordpress/wp-content/themes/grau-gruen/style.css HTTP/1.1" 200 18754 "http://zappsblog.de/2007/09/30/free-burma/" "Mozilla/5.0 (Windows; U; Windows NT 5.1; de; rv:1.8.1.7) Gecko/20070914 Firefox/2.0.0.7"Weitere Information zu den Logfiles finden sich bei apache.org.
Das gestrige Protokoll besteht aus 6900 solcher Zeilen, die manuell kaum auswertbar sind. Ich schaue recht selten in die Logfiles und wenn, dann mit Hilfe des Tools Webalizer. Webalizer gibt u.a. Listen der Rechner (IP-Adressen) aus, die am häufigsten auf den Server zugegriffen und im grössten Umfang Daten transferiert haben. Naturgegebenermassen sind das an erster Stelle meine eigenen Zugriffe und die der typischen Suchmaschinenrobots.
Da die Protokolldateien den Zugriff auf alle auf dem Webserver liegenden Dateien festhalten, kann man damit entdecken, wenn sich jemand unberechtigt Zugriff auf den Server verschafft hat und dort nun beispielsweise Videos, MP3s oder schlimmeres hostet. Über die gespeicherten IP-Adressen könnten die Strafverfolgungsbehörden mit viel Glück eventuell auch den Übeltäter identifizieren. Als Privatperson hat man keine Möglichkeit, mit ihrer Hilfe die Realdaten des Benutzers herauszufinden.
Counter
Ich setze zusätzlich zu den Serverlogs den chCounter ein, der weitergehende Informationen über die Besucher sammelt. Ein typischer chCounter-Datensatz sieht so aus:
Diese vollständigen Datensätze werden momentan 24h lang gespeichert, anschliessend sind die Daten nur noch auseinandergerissen in allgemeinen Statistiken verfügbar. Die Speicherzeit ist technisch bedingt und verhindert ansatzweise dass doppelte Zählen von Benutzern.
Auf externe Counter habe ich mittlerweile vollständig verzichtet, lediglich beim Abrufen des FeedBurner-Newsfeeds wird auf einen externen Dienst zurückgegriffen, bei dem die Datenschutzbedingungen von Google gelten.
Bei Google besteht prinzipiell die Möglichkeit, dass die Firma die Daten, die bei der Benutzung von FeedBurner, Google Reader, Google Suche, Google Mail und den weiteren Diensten anfallen, miteinander verknüpfen und so ein weit umfassenderes Nutzerprofil erstellen könnte, als es einem kleinen Webmaster möglich wäre. Daher biete ich für Benutzer, die dieser Firma kritisch gegenüber stehen, einen von mir selbst gehosteten Artikelfeed an, bei dem aber natürlich die Komfortfunktionen von FeedBurner fehlen. Abgesehen vom grossen FeedBurner-Artikelfeed sind alle anderen Feeds (z.B. alle Kommentarfeeds) von mir selbst gehostet. Lesenswert ist dazu auch meine Übersichtsseite zu den RSS-Feeds.
-
Freiwillige Angaben
(Punkte 3 und 4)Die Speicherung von freiwillig angegebenen Daten inklusive der momentanen IP-Adresse sollte eigentlich selbstverständlich sein und ich sehe darin kein grundsätzliches Datenschutzproblem. Die Daten werden in keiner Weise überprüft und mir gegenüber ist ein anonymes Auftreten gewährleistet. Lediglich Strafverfolgungsbehörden könnten innerhalb einer begrenzen Zeit die IP-Adresse mit dem Realnamen verknüpfen.
Die Kommentar-Abo-Funktion ist logischerweise auf die Speicherung der Mailadressen der Abonnenten angewiesen.
-
Auf dem Rechner des Besuchers gespeicherte Daten
(Punkt 5)Das Blog ist komplett mit abgeschalteten Cookies nutzbar, lediglich einige Komfortfunktion funktionieren dann nicht. Der Status der Kommentar-Mail-Abos ist ohne Cookies nicht abrufbar und auch das dauerhafte Einloggen als registrierter Leser ist so nicht möglich.
Die Cookies beinhalten nur die für diese Funktionen notwendigen Informationen und sind durch den Benutzer problemlos entfernbar, ich sehe kein Datenschutzproblem in ihnen.
Die momentane Konfiguration des Blogs hinsichtlich des Datenschutzes lässt mich mit einem halbwegs guten Gewissen schlafen, eine eindeutige Identifizierung von Besuchern ist mir prinzipiell nicht möglich und meinem Verständnis von Datensparsamkeit werde ich gerecht.
Ob die Serverlogs auch mit einer anonymisierten IP gespeichert werden können, wird sich zeigen, wenn meine entsprechende Anfrage von meinem Hoster all-inkl.com beantwortet wurde. Da diese Logs von aussen nicht zugänglich sind, mir die IP-Adressen direkt keine verwertbaren Informationen liefern und die Logs eher als Rückversicherung im Katastrophenfall dienen, habe ich eigentlich auch keine Probleme mit ihnen. Man sollte sich bewusst sein, dass diese Daten von so gut wie allen Webservern gespeichert werden, denen man im Internet begegnet. Sollte sich die Rechtsauffassung des Amtsgerichts Berlin auf breiter Front durchsetzen, steht dem deutschen Teil des WWW einiges an Konfigurationsarbeit bevor, ein echter Schutz ist dadurch aber auch noch nicht gewährleistet, da spätestens die Server im Ausland munter weiterprotokollieren werden.
Als Webmaster mal darüber nachzudenken, welche Daten seiner Besucher man überhaupt erhebt und wo und wie lange diese gespeichert werden, ist aber auf jeden Fall lohnenswert. Aufgrund dieser Überlegungen ist bei mir z.B. der Flashcounter aus dem Blog verschwunden und ich weise nun an mehreren Stellen deutlicher auf den FeedBurner-freien Alternativfeed hin.
Links zum Artikel "Datenschutz im Blog":
Free Burma?
Ich muss zugeben, dass auch ich zunächst Bauchschmerzen dabei hatte, an dieser Aktion teilzunehmen (und das nicht nur, weil ich Myanmar für den besseren Namen halte), habe mich aber letztlich entschlossen, doch mitzumachen.
Von Kritikern wird momentan beispielsweise ins Feld geführt, die ganze Aktion sei heuchlerisch, 90% aller Teilnehmenden hätten vorher nie etwas von Myanmar gehört; es ginge bei der Situation im Land eh nur um die Interessen des Grosskapitals und man möge doch nicht so naiv sein; man solle doch lieber auf die Strasse gehen und "real" demonstrieren; kurzum, es sei geheuchelte Kinderkacke.
Warum trotzdem mitmachen? Gestern lief im SWR-Fernsehen eine Sendung mit Frank Elstner, der einen in Deutschland lebenden Mönch aus Myanmar als Gast hatte und ausserdem ein Interview mit dem Mitarbeiter einer Hilfsorganisation in Bangkok führte. Auf die Frage, was man als einzelner denn nun machen könnte, antworteten beide sinngemäss, dass es darum ginge, Myanmar im Gespräch zu halten und Solidarität zu zeigen, und wenn es nur über ein rotes T-Shirt sei.
In die gleiche Richtung gehen ein paar Sätze von Robert:
Ich kann mich als Kroate daran erinnern, dass es uns sehr viel bedeutet hat, dass viele Menschen da draußen zu Zeiten des Krieges “an uns†gedacht haben. Das alleine hat vielen unglaublich viel Kraft gegeben. Das Gefühl alleine zu sein, zerstört selbst die kleinsten Hoffnungen.
Auch wenn fraglich ist, inwieweit die Leute in Myanmar von einer Blogaktion etwas mitbekommen können, so wird sie auf jeden Fall von ihren in Europa lebenden Landsleuten wahrgenommen und stärkt diesen eventuell wenigstens etwas den Rücken. Es mag vielleicht nur eine Art Lichterketten-Aktionismus sein, wie es ihn in den 90ern gegen den Rechtsextremismus gab, aber was soll’s? Ich habe mein Blog, um meine Meinung und meine Sicht der Welt zu veröffentlichen, warum sollte ich es in diesem Fall nicht tun, nur um mich nicht dem Verdacht auszusetzen, naiv zu sein?
Was spricht gegen so eine Aktion, auch wenn sie praktisch vielleicht nicht viel bewegen kann? Dass jeder so einfach daran teilnehmen kann? Ist es besser, wenn man den Hintern hoch bekommt und real demonstriert? Und schliesst sich beides gegenseitig aus? Den Termin der Mahnwache in Bern habe ich letzte Woche verpasst, soll ich jetzt lieber gar nichts mehr tun? Und ja, es gibt viele Länder, in denen es ähnlich grausam zugeht, wie in Burma und man muss sich auch um die Lage der Grundrechte im eigenen Land kümmern, aber sind das Argumente gegen so eine Aktion? Ich habe kein Problem damit, Schäubles Grundrechtsabbau zu kritisieren und ja, für mich ist auch Darfur noch präsent. Was ist so schwer daran zu verstehen, dass man das eine tun und das andere nicht lassen kann? Ist es wirklich kritikwürdig, wenn man sich jetzt für ein Land einsetzt, dass man vor drei Wochen noch nicht gekannt hat (was für mich übrigens nicht zutrifft)?
Dann wäre da noch das Argument mit der Backlinksammelei. Diesen Vorwurf finde ich geradezu widerwärtig. Ja, Teilnehmerlisten sind ein Bestandteil solcher Aktionen, und nach der Grundgesetz-für-Schäuble-Aktion fand ich es schon ziemlich seltsam, dass mit meinem Blognamen als Suchbegriff plötzlich dutzende von Listen aufgetaucht sind. Aber was soll’s, das Gefühl nicht alleine zu sein, animiert offensichtlich zum mitmachen, und somit haben diese Listen wohl auch etwas gutes. Von der Aussenwirkung mal ganz abgesehen, klassische Medien mögen nun mal grosse Zahlen. Um es ganz klar zu sagen: Ich hätte gar nichts dagegen, wenn jeder Link, der im Rahmen dieser Aktion auf mein Blog führt, mit einem rel="nofollow" versehen wird. Pagerank wird eh überbewertet und echte Besucher kommen nach meiner Erfahrung kaum über solche Massenlisten ins Blog. Allein schon aus diesen Gründen ist der „Backlinksammelvorwurf” in meinen Augen daneben.
Manchmal bin ich ganz froh, nicht zur Gruppe der abgeklärten Fatalisten zu gehören, die hinter allem und jedem erst mal die grosse Weltverschwörung des Grosskapitals bzw. der CIA vermuten und jede Initiative erst mal kritisieren ohne bessere Ideen zu haben. Und manchmal frage ich mich, was wohl 1989 im Vorfeld des 9. Novembers bei Heise im Forum gestanden hätte.
In diesem Sinne:
Bisher zum Thema gebloggt: