Beiträge zum Thema „Politik und Gesellschaft”
George Orwell unter Beobachtung
Passend zum gestrigen Artikel:
Welch eine Ironie: Im Umkreis von 200 Metern um George Orwells Haus befinden sich heute 28 Überwachungskameras.
Jetzt fehlt nur noch der staatliche Zugriff auf alle Kameras, um Big Brother is watching you
endgültig Realität werden zu lassen. Neusprech scheint mittlerweile auch schon eingeübt zu werden.
Das Bild entstammt dem Artikel George Orwell, Big Brother is watching your house, via BA.
Links zum Artikel "George Orwell unter Beobachtung":
Nun ist Widerstand geboten
Die Zeit freundlicher Kritik und ständiger Mahnung, bei der Terrorismusbekämpfung Augenmaß zu wahren, geht zu Ende. Nun ist Widerstand geboten. Unter der neuen „Sicherheitsarchitektur“, die der Innenminister Schäuble plant, verbirgt sich die Verwandlung der Bundesrepublik in einen Überwachungsstaat.
Das sagt nicht etwa irgendein naiver Datenschützer oder linker Spinner, sondern mit Burkhard Hirsch jemand, der zu Hochzeiten der RAF selbst Innenminister war. In seinem Artikel in der Süddeutschen fasst er die Entwicklung der letzten Jahre zusammen.
Links zum Artikel "Nun ist Widerstand geboten
":
Politik 2.0
Wer sich wohl freiwillig den ziemlich gestelzt wirkenden Podcast von Bundeskanzlerin Merkel antut?
Im Vergleich dazu wirkt Bundesrat Leuenberger (1) in seinem Blog deutlich authentischer. Auch wenn ich so meine Probleme habe, mir vorzustellen, dass ein Bundesrat im Zug auf der Treppe sitzen muss.
1) Die deutsche Entsprechung seines Amtes wäre wohl Bundesminister für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation.
Links zum Artikel "Politik 2.0":
Komasaufen kann teuer werden
Schon gewusst? Nach §20 Nr. 2 Gaststättengesetz ist es in Deutschland verboten,
in Ausübung eines Gewerbes alkoholische Getränke an erkennbar Betrunkene zu verabreichen.
Scheinbar haben die Ordnungsämter diese Einkommensmöglichkeit bislang nicht erkannt, aber nach der momentanen Diskussion ums Komasaufen könnte sich das jetzt ja ändern.
Das Gaststättengesetz ist nach der Föderalismusreform 2006 übrigens Ländersache, das zitierte Bundesgesetz gilt nur noch übergangsweise. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Bayern auch diese Regelung etwas liberaler angehen wird, sonst dürfte es bei konsequenter Anwendung zu massiven Einnahmeausfällen beim Oktoberfest kommen.
Links zum Artikel "Komasaufen kann teuer werden":
Die USA werden geliebt – In Nigeria
Die BBC hat eine Umfrage durchführen lassen, in der nach dem positiven bzw. negativen Einfluss verschiedener Staaten auf die Welt gefragt wurde. Nicht überraschend, denken nur 16% der befragten Deutschen und 24% der Franzosen, dass die USA einen überwiegend positiven Einfluss ausüben.
In Nigeria wird das jedoch ganz anders gesehen: 72% der Nigerianer schätzen den positiven Einfluss der Vereinigten Staaten auf das Weltgeschehen.
Ob das wohl daran liegt, dass Amerikaner eventuell besonders dankbare Opfer der Nigeria-Connection sind?
Das sehr interessante detaillierte Ergebnis der Umfrage kann man als 3 MB grosses PDF bei der BBC herunterladen. Gefunden habe ich sie via Swampland, wo in den Kommentaren auch etwas seriösere Erklärungsmöglichkeiten diskutiert werden.
Links zum Artikel "Die USA werden geliebt – In Nigeria":
Grüne CSU?
Als folgende Schlagzeile von SPON in meinem Feedreader auftauchte, habe ich ja zuerst an einen Scherz gedacht:
CSU will konventionelle Autos verbieten
Die CSU, die Partei, deren Vertreter eben noch befürchtet haben, dass die Deutschen zu einem Volk von Kleinwagenfahrern degradiert werden
, will konsequent alle konventionell angetriebenen Autos verbieten, und ganz auf Wasserstoff- und Hybridantrieb setzen?
Ein genauerer Blick in den Artikel hat mich dann aber beruhigt: Das Ganze soll bis zum Jahre 2020 umgesetzte werden, es besteht also momentan kein konkreter Handlungsbedarf, und die grossen Dienstwagen dürfen erst mal weitergefahren werden, auch wenn deren Sprit vielleicht bald teurer wird.
Erinnert sich eigentlich noch jemand, welch ein Aufschrei vor einigen Jahren durchs Land ging, als die Grünen meinten, dass 5 DM doch ein angemessener Preis für den Liter Sprit wären, ein Tempolimit auf Autobahnen forderten und für Urlaub in Deutschland statt einer Fernreise warben?
Wie sich doch die Zeiten ändern. Ich habe mir den ersten Januar 2020 auf jeden Fall schon mal vorgemerkt.
Links zum Artikel "Grüne CSU?":
Ausländerprobleme
- 36 Prozent der Bevölkerung glaubt, dass die Ausländer den Einheimischen den Job wegnehmen. Im Osten und bei den 15- bis 34-Jährigen sind es sogar deutlich über 40 Prozent.
- 45 Prozent der Bevölkerung ist der Meinung, dass die Ausländer unsere Löhne drücken.
Klingt wie eine Umfrage zur EU-Osterweiterung in Deutschland?
Weit gefehlt, die Zahlen entstammen einer Umfrage des Schweizer Boulevardblattes Blick (1), ich habe lediglich "Deutsche" durch "Ausländer" ersetzt.
In der letzten Woche wurde der Schweiz durch eine Artikelserie dieser Zeitung eine Diskussion über das "Deutschenproblem" aufgezwängt. Tatsächlich ist die Schweiz eines der beliebtesten Auswanderungsländer für Deutsche und in manchen Berufszweigen ist das Schweizerdeutsch fast zur Ausnahme geworden. In den Kliniken sind Deutsche Ärzte und Schwestern die Regel und auch an den Universitäten sind viele Deutsche angestellt, so auch ich.
Wirtschaftlich gesehen gibt es für die Schweizer eigentlich keinen Grund zur Sorge, die Einwanderer sind in der Regel hoch qualifiziert und füllen Lücken, die durch die Schweizer Arbeitnehmer nicht gefüllt werden können. In meiner Zeit in Bern haben wir zum Beispiel sieben Doktoranden- und PostDoc-Stellen mit externen Leuten neu besetzt. In sechs Fällen gab es entweder keine Bewerbungen von Schweizern, oder sie waren aufgrund fehlender Qualifikation schon vor dem Vorstellungsgespräch aus dem Rennen. So sind dann halt vier Deutsche, ein Holländer, eine Ukrainerin und ein Schweizer eingestellt worden. Ein weiterer Schweizer ist nach seiner Diplomarbeit als Doktorand bei uns geblieben.
Interessant ist es aber schon, bei der Ausländerdiskussion mal auf der anderen Seite zu stehen. Mir selbst ist allerdings auch noch nie eine wirklich ablehnende Haltung entgegen geschlagen (2), und ich fühle mich in der Eidgenossenschaft ausgesprochen wohl. Ganz im Gegensatz zu meinen Schweizer Kollegen bin ich auch der Meinung, dass die Menschen hier insgesamt freundlicher sind als in Deutschland. Aber vielleicht beruht das auch nur auf selektiver Wahrnehmung, weil ich immer so eine Freude an den freundlich grüssenden und meistens lächelnden Verkäuferinnen beim Coop habe.
Ich halte es da ganz mit dem Schweizer Germanisten Peter von Matt, der in einem sehenswerten Interview meinte:Es gibt hier wirklich kein Problem.
Übrigens:
- 43% der Schweizer halten die Deutschen für arrogant
Liebe Mitdeutsche, da müssen wir wohl noch etwas dran arbeiten. Aber immerhin meinte mein ehemaliger Diplomand mal, ich hätte sein Deutschen-Bild ziemlich verändert. Ich hoffe mal zum Guten ;-)
- 1) Der Blick ist das Schweizer Gegenstück zur Bild, wird aber nicht vom Axel-Springer-Verlag herausgegeben.
- 2) Na ja, vielleicht doch einmal. Beim WM-Halbfinale hätte schon nicht die ganze Kneipe wie ein Mann aufspringen und jubeln müssen, als in allerletzter Sekunde das Italien-Tor gegen Deutschland gefallen war. Fussball ist eher ein heikles Thema.