Politik und Gesellschaft - Zapps Blog

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Beiträge zum Thema „Politik und Gesellschaft”

Zuschlag schlecht, Rabatt gut?

Seehofer sagte, ein Blick auf die Tarifstrukturen in anderen Ländern wie Österreich, Schweiz, Spanien oder Frankreich zeige, dass keines einen Bedienzuschlag von seinen Kunden verlange.

„Vorgesehen ist eher das Umgekehrte, nämlich statt eines Zuschlags bei Bedienung am Schalter wird ein Rabatt gewährt, wenn die Kunden selbst buchen, zum Beispiel am Automaten oder per Internet“, sagte Seehofer.

taz: Schalterkauf bleibt unentgeltlich

Könnte mir mal jemand den Unterschied zwischen einem Bedienzuschlag von 2,50 Euro und einer allgemeinen Preiserhöhung mit anschliessendem 2,50-Euro-Automatenrabatt erklären?

Warum das eine ganz schlimm und das andere kein Problem sein soll, verstehe ich nicht so ganz.

Überhaupt wäre der Bedienzuschlag in meinen Augen kein grosses Problem, wenn es überall gut funktionierende Automaten gäbe, die genau die gleichen Leistungen wie die Schalterangestellten erbringen würden. Dazu gehört auch die problemlose Annahme von Geldscheinen und Kreditkarten unabhängig vom Fahrpreis oder Verkehrsverbund sowie der Verkauf aller Spezialfahrscheine mit allen Rabatten.

Als ich das erste Mal vom Bedienzuschlag gehört habe, konnte ich mir Bewunderung für das Konzept nicht verkneifen: Erst werden die Fahrpreise immer komplizierter und mit einem Geflecht von mehr oder weniger regionalen Sondertarifen überzogen, und dann wird für die Führung durch den selbstverschuldeten Tarifdschungel auch noch eine Gebühr erhoben. Dass zwischenzeitlich Ausnahmeregelungen für den Bedienzuschlag diskutiert wurden [1], hat in dieses Bild auch perfekt hineingepasst.

Vielleicht sollten die Bahnmanager öfter mal ein Küsschen bekommen.

[1] Nicht zu erheben von Senioren mit Bahncard 100 zwischen 6 und 8 Uhr morgens am 29. Februar.

Disclaimer: Ich gehe gerne zu meinem Vorortbahnhof um dort Fahrkarten zu kaufen oder Samstag abends noch schnell eine Frage zur Reiseroute für die nächste Wanderung zu klären.

1. August

CH_Wappen.png

Morgen steht er wieder an, der Schweizer Nationalfeiertag, an dem die Eidgenossenschaft mit Gesang und Feuerwerk ihrer Gründung gedenkt.

Natürlich gehören zu so einem Anlass auch staatstragende Ansprachen, eher ungewöhnlich ist allerdings, dass ein Regierungsmitglied seine Feiertagsgedanken im eigenen Blog publiziert. So macht es in diesem Jahr Bundesrat Leuenberger und präsentiert die nach eigenen Angaben schweiz- und weltweit erste 1.-August-Rede in einem Blog überhaupt.

Seine Gedanken zum typisch Schweizerischen und der direkten Demokratie seien hiermit zur Lektüre empfohlen, Deutsche werden dabei vielleicht einige Überraschungen erleben.

„Das ist das wirklich Schweizerische an unserem Staat: Er drängt uns zum Verhandeln, zum Interessensausgleich, zum Kompromiss – und gerade dadurch finden wir zu praktikablen und dauerhaften Lösungen. [...] Deshalb widerspricht der Gang „in die Opposition“ dem Grundgedanken der direkten Demokratie.”

„Deutsche“ Atomwaffen gegen den Iran?

Man müsse an der atomaren Abschreckungsstrategie festhalten, sagte der außenpolitische Sprecher der Fraktion, Eckart von Klaeden (CDU), der "Berliner Zeitung". Die Waffen müssten selbstverständlich nach den höchsten Sicherheitsstandards gelagert werden, aber "wir können nicht auf sie verzichten, solange es Nuklearwaffen auf der Welt gibt. Sie schützen auch uns".

Spiegel Online

Die nukleare Teilhabe müsse Bestandteil der deutschen Sicherheitspolitik bleiben. "Wir müssen uns auch davor wappnen, dass uns zum Beispiel ein Land wie der Iran in Zukunft zu Geiseln nimmt."

AFP

Mich würde ja mal interessieren, wie uns die maximal 44 taktischen Atomwaffen, die auf dem Luftwaffenstützpunkt Büchel gelagert werden, vor einer „Geiselnahme” durch den Iran schützen sollen.

Möchte Herr von Klaeden ernsthaft damit drohen, dass im Extremfall Bundeswehrtornados non-stop bis nach Teheran fliegen würden, um dort ihre atomare Fracht abzuwerfen? Oder denkt er daran, dass im Rahmen der nuklearen Teilhabe mit amerikanischen Atomwaffen bestückte deutsche Flugzeuge unterwegs in der Türkei einen Tankstopp einlegen würden?

Karte mit eingezeichnetem Einsatzradius des Tornados, dieser reicht gerade bis in die Türkei hinein.Ungefährer Einsatzradius eines Tornado-Jagdbombers mit Stationierungsort Büchel. Quelle: Wikipedia

Warum haken Journalisten bei so schwachsinnigen Argumenten eigentlich nicht noch mal nach?

Ein völlig durchdachtes Konzept

In Berlin wurde heute im Beisein des Bundespräsidenten die „Hall of Fame des Deutschen Sports” vorgestellt.

Für den überaus gelungenen Namen gibt es von mir den Verweis auf ein tolles Lied von den Wise Guys und für die Tatsache, dass die Ruhmeshalle, die ein bleibendes Forum für die großen Athletinnen und Athleten sein soll, nicht mal eigene Räumlichkeiten besitzt, ein breites Grinsen.

Montana an Washington: Geht zur Hölle!

Dank eines überaus empfehlenswerten Artikels bei USA Erklärt weiss ich ja schon länger, dass die US-Bundesregierung den einzelnen Bundesstaaten nicht besonders viel in ihre inneren Angelegenheiten hineinregieren kann.

Aber dass der Gouverneur von Montana meint, es wäre ganz normal, Forderungen aus Washington zu ignorieren und der Bundesregierung ein „Geht zur Hölle!” entgegenzuwerfen, wenn sie zu lästig wird, hat mich nun doch überrascht:

"We're putting up with the federal government on so many fronts, and nearly every month they come out with another hare-brained scheme ... to tell us that our life is going to be better if we just buckle under on some other kind of rule or regulation. And we usually just play along for a while.

We ignore 'em for as long as we can. We try not to bring it to a head but if it comes to a head we found that it's best to tell 'em to go to Hell and run the state you wanna run your state."

Das entsprechende Radiointerview mit Monatanas Gouverneur Brian Schweitzer enthält noch weitere klare Ansagen zum Konflikt zwischen einzelnen Bundesstaaten und Bundesregierung um die Einführung einer einheitlichen Identitätskarte.

via boingboing

SPON ist die Jugend wohl nicht schlimm genug

„Der Umgang mit Hardcore-Porno-Filmchen, die auf Teenager-Handys kursieren, trägt in der Schweiz erste Früchte: Einem Bericht zufolge gehen Jugendliche heutzutage lieber ins Bordell als ins Kino oder in die Eisdiele.”

So leitet Spiegel Online den Artikel Minderjährige Freier - Teenager gehen gern ins Bordell ein, in dem sich die Autoren auf einen Bericht in der heutigen Ausgabe der Schweizer 20minuten beziehen. Wo sie in dem betreffenden Artikel (Trend: Teenager als Bordellgäste) die Aussage gefunden haben, dass Jugendliche mittlerweile lieber ins Bordell als ins Kino gehen, ist mir allerdings schleierhaft.

Vielmehr findet sich in der Schweizer Gratiszeitung ein paar Seiten hinter dem Bordell-Artikel folgendes: Neun von zehn Jugendlichen gehen sehr gerne ins Kino.

Da drängt sich doch nun die Schlussfolgerung auf, dass in der Welt von Spiegel Online zehn von zehn Jugendliche gerne in den Puff gehen.

Schade, dass ein durchaus interessantes Thema («Oft verlangen sie Praktiken, wie man sie aus den Internet- und Handy-Pornos kennt, die unter den Jugendlichen kursieren.») unbedingt auch noch billig aufgebauscht werden muss.

Zu viele nörgelnde Rentner?

Im Zusammenhang mit dem Vorfall in der Münchner U-Bahn, bei dem ein Renter von Jugendlichen zusammengeschlagen wurde, hat der Zeit-Kulturchef Jens Jessen in einem kontroversen Web-Video die Frage aufgeworfen, ob es nicht zu viele nörgelnde Rentner gibt.

An dieses Video, auf das ich letzte Woche in einem hr2-Podcast erneut gestossen bin, musste ich mich am Freitag erinnern, als ich mit der SBB auf dem Weg in die Berge war. Zufällig hatte es meine Kollegin und mich in einen Ruhewagen verschlagen, in dem Schilder an den Fenstern kleben, die einen Mund mit Finger auf den Lippen sowie durchgestrichene Handys und MP3-Player zeigen.

Am nächsten Bahnhof stiegen zwei Frauen mit Kind und Hund zu, die sich darüber freuten, den Zug erwischt und sofort einen Sitzplatz gefunden zu haben. Noch bevor sich die Gesellschaft setzen konnte, sprang der uns gegenüber sitzende Rentner auf und wies sie darauf hin, dass sie wohl nicht bemerkt hätten, dass sie in einem Ruhewagen wären. Auf die etwas verdutzte Frage, was das denn nun bedeuten solle, meinte er, dass man sich hier schliesslich nicht unterhalten dürfe und sie sich vielleicht einen anderen Platz suchen sollten. In solchen Momenten ist man ja nie spontan schlagfertig genug und daher haben die „Krawallmacher” tatsächlich ihr Glück in einem andern Waggon gesucht.

Meine Reaktion schwankte zwischen Schock, Erstaunen und Erheiterung über den „Schweizer Spiesser”, dem offensichtlich auch Emil Steinberger schon mal im Zug begegnet ist, und ich habe anschliessend nur noch darauf gewartet, mir einen Kommentar wegen meines MP3-Players einzufangen (1).

Was muss es doch für ein trauriges, intolerantes Leben sein, wenn man gleich jede Gelegenheit nutzt, um sich zu ärgern und jemanden zurechtzuweisen.

  • 1) Natürlich war die Lautstärke so eingestellt, dass man in einigen Zentimetern Entfernung vom Kopfhörer nichts mehr hören konnte. Ausserdem war der Soundtrack, den ich mir angehört hatte, ziemlich Bass- und Rythmusarm.

Unterschiedliche Wahrnehmung

Schon spannend, wie der gleiche Vorgang aus unterschiedlichen Perspektiven wahrgenommen wird:

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Mein persönliches Schmankerl ist übrigens die Tatsache, dass die ersten Ergebnisse aus Gemeinden vorlagen, in denen herkömmlich mit Papier und Stift gewählt wurde:

Die ersten fünf ausgezählten Gemeinden:

Hesseneck 18:52:39
Haunetal 19:01:06
Bromskirchen  19:03:34
Breidenbach 19:04:15
Nüsttal 19:05:19

Gemeinden, in denen elektronisch gewählt wurde:

Niestetal 19:33:21
Viernheim 19:33:23
Obertshausen 19:52:11
Lampertheim 20:02:41
Niedernhausen 20:06:49
Bad Soden am Taunus  20:09:41
Langen 20:30:24
Alsbach-Hähnlein 20:38:15

Quellen: Hessisches Statistisches Landesamt, CCC

So ganz offensichtlich scheint der Zeitgewinn durch den Einsatz von Wahlcomputern in Hessen nicht gewesen zu sein.

Jugendgewalt

Ich kann Deutsche Nachrichten wegen des schwachsinnigen Wahlkampfgetöses, dem dort grosser Raum eingeräumt wird, mittlerweile ja kaum noch aushalten, aber falls sich jemand noch ernsthaft damit auseinandersetzen möchte, habe ich zwei Linktipps zum Thema Jugendgewalt:

Ich werde bis Ende des Monats wohl weiterhin vor allem die Schweizer Nachrichten verfolgen, hierzulande ist der Wahlkampf ja zunächst mal Geschichte.

Aus gegebenem Anlass

Aktueller Aushang an der Tür unseres Kaffeeraumes:

SPON: Blocher Geschasst - Freudenfeiern in Bern. 16 Uhr