Medien - Zapps Blog

Direkt zum Inhalt




Beiträge zum Thema „Medien”

Babylon 5 – Vergessene Legenden

And Stephen?
Oh, I thought you heard.
Dr. Franklin went with G’Kar, exploring beyond the Rim.

Heute lag sie endlich im Briefkasten, die lange erwartete DVD mit den neuen Geschichten aus dem Babylon-5-Universum.

Neun Jahre nach der letzten Episode der Originalserie und nach zwei gescheiterten Anläufen, Nachfolgeserien zu etablieren, trägt das Direct-to-DVD-Projekt Babylon 5 - Vergessene Legenden (The Lost Tales) mit der DVD Stimmen aus dem Dunkel (Voices in the Dark) erste Früchte. Und der Brückenschlag zur alten Serie gelingt tatsächlich bereits im Vorspann, der optisch und akkustisch deutlich Anleihen bei der letzen Staffel nimmt. Besonders gelungen ist der von G’Kar –  bzw. dem 2006 verstorbenen Andreas Katsulas – gesprochene Einleitungstext, der beim Babylon-5-Kenner fast Wehmut aufkommen lässt.

Die beiden Episoden sind ausgesprochen dialoglastig, der Spannungsfaktor ist eher gering. Mich erstaunt immer wieder die Vorliebe des bekennenden Atheisten J. Michael Straczynski für religöse Themen, die er in der ersten Episode vielleicht etwas zu sehr ausgelebt hat. Der zweite Teil ist Babylon-5-typischer und mit dem Centaurischen Prinzen Dius Vintari wird eine neue Figur eingeführt, von der man vielleicht in Zukunft noch hören wird. Überhaupt bleiben bei beiden Geschichten wie gewohnt jede Menge Fragen unbeantwortet (Was hat es wohl mit der Kette, die Sheridan von Galen bekommen hat, auf sich?), und es gibt reichlich Anknüpfungspunkte für zukünftige Episoden. Das Set-Design ist relativ sparsam (immerhin waren die Dreharbeiten günstiger als geplant), die Station wirkt dadurch gelegentlich etwas leer. Die Spezialeffekte sind aber auf der Höhe der Zeit und von aussen ist die Station deutlich detailreicher ausmodelliert als in der Originalserie.

Neue Fans wird B5 durch diese DVD sicher nicht gewinnen können, dazu sind die Geschichten zu ruhig und benötigen zu viel Vorwissen, um wirklich genossen zu werden. Für B5-Kenner ist Voices in the Dark aber ein gelungener Anlass, etwas in Erinnerungen zu schwelgen und die alten Staffeln wieder hervorzukramen.

Überhaupt ist meiner Meinung nach Babylon 5 in Deutschland im Vergleich zu den anderen grossen S.F.-Serien zu unbekannt, neben Star Trek braucht sich diese Serie sicher nicht zu verstecken und ein ähnlich staffelübergreifender Handlungsstrang wie bei B5 ist mir erst bei Battlestar Galactica wieder begegnet. Ich selbst bin auch erst seit dem Kauf des damals äusserst günstigen Komplett-Sets ein Fan des Babylon-5-Universums mit seiner komplexen Handlung und den vielschichtigen Charakteren geworden, kann aber jedem S.F.-Freund nur empfehlen, mal einen Blick darauf zu werfen.

Dioxin im Verdickungsmittel

Mit Erstaunen habe ich gerade in der deutschen Tagesschau einen Filmbeitrag über Dioxin in Guarkernmehl gesehen, das über eine Schweizer Firma nach Deutschland gelangt sein soll.

Das war hierzulande schon vor 1½ Wochen ein grosses Thema (1). Haben die Deutschen Behörden bzw. Unternehmen wirklich so lange gebraucht, um zu bemerken, dass sie eventuell selbst betroffen sein könnten? Oder ist das Thema erst jetzt von den deutschen Medien entdeckt worden? Man trifft ja immer mal wieder auf Meldungen in den Nachrichtensendungen, die man schon ein paar Tage vorher woanders gelesen oder gesehen hat.

1) pressetext.ch vom 31.07.2007: Dioxin in Lebensmittelzusatz gefunden

Passendes aus dem Archiv:

taz-Printausgabe wieder online

Durch einen Zufall habe ich heute entdeckt, dass die von mir vermisste virtuelle Printausgabe der taz wieder online verfügbar ist.

Allerdings scheinen die taz-Macher sie vor ihren Besuchern verstecken zu wollen, man gelangt nur über recht unauffällig platzierte Links zu ihr:

  • Auf der taz-Startseite heisst der gesuchte Link 'Mehr taz!' und ist ohne scrollen nicht zu erreichen.
  • Auf der folgenden Abo-Seite lautet der Linktext schlicht 'hier'.
  • Über ihn kommt man schliesslich zur virtuellen Printausgabe.

(Man kommt alternativ auch über das Archiv, dass sich offensichtlich auf die Printausgabe der taz und nicht auf die Internetseite bezieht, zum Ziel.)

Der virtuellen Printausgabe fehlen bei Artikeln, die nicht auch separat online gestellt wurden, wie gewohnt alle Bilder und jedes weitergehende Layout. Leider kann man sich die aktuelle Titelseite der taz nicht mehr in Originalgrösse anschauen, auf der Abo-Seite wird lediglich ein stark verkleinertes Bild präsentiert.

Insgesamt ist es sicher positiv, dass auf die Kritik der Leser eingegangen wurde und die Printausgabe wieder in alter Form verfügbar gemacht wurde, allerdings ist es für mich unverständlich, warum sie so versteckt wird.

Habe ich eigentlich schon mal angemerkt, dass taz.de mittlerweile aussieht, wie jede beliebige andere Nachrichtenseite auch?
Grossflächige Werbung, irrelevante Leserumfragen, Leserforen (momentan drei(!) Themen) und die unvermeidlichen Bildergalerien haben hier nun auch Einzug gehalten. Ihr Profil wird die taz-Genossenschaft so wohl kaum schärfen.

Passendes aus dem Archiv:

Hund beisst Mann

Eigentlich hatte ich mir ja nach diesem Beitrag vorgenommen, mich über gar nichts mehr bei Spiegel online zu wundern, erst recht nichts mehr darüber zu schreiben und ausserdem den SPON-Feed aus dem Feedreader zu schmeissen. Aber wie das so ist: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

So kam ich heute doch noch in den Genuss der Nachricht des Tages: Gummiball verschluckt: US-Talkshow-Queen weint um toten Hund.

Welch ein relevantes Thema, und so knallhart nachrecherchiert.
*Mit dem Kopf auf die Tischplatte schlag.*

Wieso kommt mir jetzt eigentlich spontan der Beitrag Was Sonntagsredner werktags machen aus dem Niggeblog in den Sinn?

Für eine Hand voll Milchreis

Schon irgendwie traurig, wenn jemand, der in der Erinnerung durchaus positiv hängen geblieben ist und mich sogar mal zum Sprossenzüchten verleitet hat, seine Ideale verkauft:

Müller Milch holt Jean Pütz vor die Kamera

Und dann auch noch für einen Vollkunststoff-Milchreis...

PS: Wer mal wieder wirklich schlecht gemachte Firmenwebsites sehen möchte, dem seien die beiden der Firma Müller empfohlen.

taz nicht mehr rot

Und noch ein neues Layout im Pressedschungel: Die taz hat ihren Internetauftritt renoviert und dabei auch gleich die alte Leitfarbe deutlich zurückgefahren.

Nun sieht es dort auch so aus, wie auf anderen Newsseiten und die Printausgabe ist hinter der Seite kaum mehr zu erkennen. Gerade das hat für mich den Charme des alten Layouts ausgemacht, man hatte im taz-losen Ausland fast das Gefühl, die Druckausgabe durchblättern zu können. Ausserdem fand ich es extrem praktisch, über eine kleine Datumsmanipulation in der URL gezielt auf ältere Ausgaben zugreifen zu können.

PS: Vielleicht dient das neue Layout ja auch der Förderung des digitalen Abos?

Nachtrag: Puh, was eine Friemelei, ein Benutzerstylesheet hinzubekommen, dass eine vernünftige Textbreite bei einer grösseren Schrift ermöglicht. Der Code ist, sagen wir mal, interessant. Falls jemanden meine momentane Lösung interessiert:

Zusätzlicher Code in der userContent.css:

/*TAZ*/ @-moz-document domain(taz.de){ div#werbung_rechts, div#werbung_oben, .anzeige, #anzeige, .werbeblock_inline, .schwarzer_rahmen_links {display:none;} #hauptbereich, #content_gesamt, #main_navi_div, #main_navi_sub_div, .schwarzer_rahmen_oben {width:100% !important;} #linke_spalte, #linke_spalte > div {width:700px !important;} #artikel * {font-size: 20px !important; line-height:1.3em !important;} #artikel h1 {font-size:30px !important;} .artikelheader {border:0 !important;} #hauptbereich {background:white !important;} .schwarzer_rahmen_oben, #hauptbereich {position:static !important; top:0;} #linke_spalte {margin-left:120px; margin-right:30px;} }

Das Benutzerstylesheet ist natürlich stark auf meine persönlichen Bedürfnisse und Lesegewohnheiten zugeschnitten und für eine Bearbeitung der Übersichtsseiten hat meine Motivation noch nicht gereicht. Die px-Angaben dürfen angepasst werden. ;-)

Qualitätsjournalismus Teil X

Heute bei welt.de:

In Großbritannien haben die Schokoriegel "Snickers" und "Mars" eine neue Rezeptur. Das Neue: Es werden Schlachtabfälle beigemischt. Weil Schlachtabfälle mitunter auch Fleisch enthalten, zog sich "Mars"-Hersteller Masterfoods den Protest von Vegetariern zu. Jetzt wird die Rezeptur wieder geändert.

Wer denkt da nicht an Gammelfleischskandal und BSE? Allerdings handelt es sich bei den "Schlachtabfällen" wohl eher um Lab, das schon seit Urzeiten ein unerlässliches und keineswegs ekliges Hilfsmittel bei der Käseherstellung ist:

Fortan sollten die Schokoriegel durch ein Enzym aus Kälbermägen "verbessert" werden: ein Produkt, das beim Schlachten der Jungtiere in großen Mengen anfällt und seit langem in der Käse- und Schokoladeindustrie verwendet wird.

"Schlachtabfall" ist also kompletter Unsinn und fällt in die gleiche Kategorie, wie Berichte über Blut in Schokolade. Aber so verkauft sich die Nachricht in der heutigen Medienlandschaft sicher besser.

via Shopblogger

Cliffhanger

Gerade im Fernsehen:

Darth Vader:
Obi Wan hat dir nie gesagt, was wirklich mit deinem Vater passiert ist.
Luke:
Er hat mir genug erzählt ...
Pro7:
Pling, Pling, Pling, Pling - Werbung

Das nenn’ ich doch mal Timing und einen guten Cliffhanger.

Ob es das dazu passende T-Shirt (Spoiler!) wohl auch in Europa gibt?

Das Bolton-Interview – eine Nachbetrachtung

Im Beitrag Schwere Zeiten für die BBC hatte ich über ein Radiointerview mit John Bolton geschrieben, in dem der ehemalige Botschafter der USA bei den Vereinten Nationen den Reporter angeblich als Linksradikalen mit einem leeren Hirn bezeichnet hat.

Mittlerweile ist das Interview auch im Netz zu finden (1) und es bestätigt sich einmal mehr, dass man bei Nacherzählungen von Ereignissen vorsichtig sein muss. Während der ehemalige US-Diplomat sicher einige sehr zweifelhafte Positionen bezieht (2) und schon öfter recht seltsame Interviews gegeben hat, sind einige seiner persönlichen Anmerkungen aus der Situation heraus fast verständlich. Zur schlagzeilenträchtigen Aussage vom "leeren Hirn" kam es beispielsweise, nachdem der BBC-Reporter meinte, er sei weder links noch rechts noch liberal, woraufhin Bolton scherzhaft anmerkte, dann hätter er ja gar keine eigene Meinung, sein Hirn sei somit wohl vollständig leer.

Ohne John Bolton und insbesondere seine Ansichten zur Iran- und Irakpolitik verteidigen zu wollen, muss man fairerweise sagen, dass der Spiegel-online-Artikel das Gespräch nur unzureichend wiedergibt. Zumindest verstehe ich unter "Ausrasten" etwas anderes, einen wutschnaubenden, mit den Beinen aufstampfenden und zur Gewalttätigkeit neigenden US-Diplomaten bekam man jedenfalls nicht zu hören. Ob hier wohl die Wahrheit etwas zu Gunsten einer griffigen Schlagzeile verbogen wurde?

Wenn bei unseren Politikern das Herz ähnlich auf der Zunge liegen würde, wie bei Herrn Bolton, hätte die Politik auf jeden Fall einen höheren Unterhaltungswert und wäre eventuell sogar ein Stück ehrlicher.

  • 1) Mp3 bei littlegreenfootballs.com (zeitweise schlecht zu erreichen), Real-Media-Stream bei der BBC
  • 2) So wirft er beispielsweise als Aussenstehender den britischen UN-Delegierten vor, sie hätten nicht die Position ihrer eigenen Regierung vertreten und meint, dass das Desaster im Irak nicht gegen den Einsatz von Gewalt gegen den Iran spricht.

Schwere Zeiten für die BBC

Für die altehrwürdige BBC kommt es gerade knüppeldicke: Gestern berichtet Spiegel online über die Kampagne, die Scientology momentan gegen die Sendeanstalt fährt, und heute muss sich ein BBC-Interviewer vom ehemaligen UN-Botschafter John Bolton anhören lassen, er sei ein hirnloser Linksradikaler.

In beiden Fällen ist auffällig, dass amerikanische Gesprächspartner nicht mit kritischen Fragen umgehen konnten. Im ersten Fall bereitet die Frage nach Vorwürfen, Scientology würde der Gehirnwäsche betreiben, Probleme, im zweiten Fall ging es um die Lage im Irak. Scheinbar sind die Angestellten der BBC mittlerweile bissiger als die amerikanischen Medien, was bei amerikanischen Gesprächspartnern eventuell zu einem Kulturschock führen kann.

Zur Scientology-Geschichte hat Nyxon Links zu allen relevanten Videos zusammengetragen (Blogsatz: Die Seelenfänger - Zwischen(den Zeilen)ruf). Es lohnt sich wirklich, zuerst die BBC-Doku und dann das Scientology-Video zu sehen. Die Reaktion der BBC auf den Ausraster von John Sweeney, durch den Scientology erst richtig die Gelegenheit zur Breitseite bekam, wird bei Stefan Niggemeier diskutiert (Niggeblog: BBC, Scientology und die neue Medienwelt).

Das Bolton-Interview habe ich leider nicht online finden können, es wäre aber sicherlich auch spannend zu hören.