Beiträge zum Thema „Medien”
Überlebt Lesch?
Der bekannte Astrophysiker treibt sich momentan immerhin nur von einem Kameramann begleitet in der Müncher U-Bahn herum. In der ersten Ausgabe von LeschZug schwadroniert er dort in Echtzeit über den Klimawandel.
Ein interessantes Konzept und der Beweis, dass man gutes Fernsehen auch sehr preiswert und spontan produzieren kann.
Links zum Artikel "Überlebt Lesch?":
DSDS: Wer’s glaubt …
Diese Vorcastings seien ausschließlich aus praktischen Gründen eingerichtet worden: "Es ist zeitlich unmöglich, binnen weniger Wochen alle Kandidaten vor der DSDS-Jury singen zu lassen", sagt RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer. Die Auswahl derer, die vor die DSDS-Jury kommen, solle einem repräsentativen Gesamtdurchschnitt aller Bewerber entsprechen: "Dazu zählen die talentierten Sänger ebenso wie die weniger talentierten", so Eickmeyer.
Die RTL-Sprecherin stellt klar: "Ein antizipiertes Bloßstellen gibt es bei DSDS nicht."
An dieser Stelle möchte ich mal einen Lesetipp unterbringen:
Wer sich auch nur ansatzweise eine Meinung über DSDS und ähnliche Castingshows bilden möchte, sollte unbedingt einen Blick in den Roman Chart Throb von Ben Elton werfen. Danach sieht man solche Aussagen in einem ganz anderen Licht.
Im Roman werden die Kandidaten bereits bei der allerersten Sichtung in drei grosse Gruppen eingeteilt und vom Sender entsprechend aufgebaut und verwertet:
Clinger
Verzweifelte, hundertprozentig von sich selbst überzeugte Kandidaten, die überhaupt nicht singen können, aber bei ihrer öffentlichen Demontage grosses Fernsehen machen. Also die Leute, bei denen man sich fragt, warum ihre Eltern oder Freunde sie nicht vom Casting abgehalten haben.
Blinger
Extrovertierte Typen mit grossem Showpotential. Ihnen ist egal, ob sie sich vor der ganzen Nation zum Affen machen, Hauptsache, sie haben eine Bühne zur Selbstdarstellung. Wahrscheinlich die Gruppe, der das Casting am meissten Spass macht.
Minger
Zitat (frei übersetzt): „Die echten Opfer, die Jammergestalten, die Kurzsichtigen mit Glasbaustein-Brille, die Missgestalteten, die Fettleibigen, die geistig Unterbemittelten und die aknegeplagten Nerds.”
Wenn man sich anschaut, wer es bei RTL in die ersten Castingrunden schafft, ist der Roman wohl nicht allzu weit von der Realität entfernt …
Links zum Artikel "DSDS: Wer’s glaubt …":
Lesch lebt II
Beim ZDF wird außerdem der Astrophysiker Harald Lesch als neuer Wissenschaftsmoderator Joachim Bublath ablösen, der aus Altersgründen die Sendung abgibt. Lesch wird ab September das ZDF-Magazin "Abenteuer Forschung" präsentieren.
Das ist doch mal eine gute Nachricht, vielleicht geht es dann mit Abenteuer Forschung wieder etwas aufwärts. In letzter Zeit war mir persönlich die Sendung schon etwas zu populär und zu wenig wissenschaftlich geworden.
Passend zum Thema gebloggt:
Links zum Artikel "Lesch lebt II":
Sein und Schein
Ich mag die gedruckte Zeit, aber bei der Übertragung ins Onlineangebot muss beim Artikel „Granaten im Schlick” wohl etwas schief gelaufen sein.
Überschrift im Feedreader und Titel der Seite:
Schweiz: Munition in Alpenseen lässt Fische mutieren
Kernsätze im Artikel:
»Experimente zeigten, dass sich TNT und dessen Abbauprodukte im Schlick langsamer ausbreiten, als sie von neuem Sediment überdeckt werden.« Die Schadstoffe gelangen also nicht ins freie Wasser.
Für den Thuner See hat man gerade so viel nachgewiesen, als wäre der Sprengstoff einer einzelnen Artilleriegranate im 17,5 Kilometer langen See verstreut worden.
Im Bieler See liegt keine versenkte Munition. [...] Und da die Felchen im Bieler See trotz der höheren Belastung mit Sprengstoff gesund sind, scheint die Munition endgültig vom Verdacht entlastet, die Fische im Thuner See zu verunstalten.
Kann es sein, dass der zuständige Internetredakteur den Artikel nicht gelesen hat?
Links zum Artikel "Sein und Schein":
Frustrierend
Vor Jahren ist es mir mal passiert, dass meine selbstgemachte Aufzeichnung des Hexers gerade an der Stelle endete, an der das Licht ausging und die Auflösung der Geschichte unmittelbar bevorstand.
Bis gerade eben dachte ich, das wäre nicht zu toppen.
Dann gelangte ich zur 720. und letzten Seite meiner aktuellen Lektüre und fand als finales Satzzeichen einen Trennstrich.
Wenn ich dann noch daran denke, dass der Buchhändler, bei dem ich das Buch gegen eins, das auch die letzten 32 Seiten enthält, umtauschen könnte, 600 km entfernt ist …
Grmpf!
Links zum Artikel "Frustrierend":
- 3. Januar 2008 –
- Medien
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Best of shnit
Ich habe ja nun die letzten Abende im Kino verbracht, wo ich das shnit-Kurzfilmfestival genossen habe. Vor der heutigen Preisverleihung wollte ich hier mal meine Favoriten verlinken, aber erstaunlicherweise finden sich kaum vollständige Kurzfilme im Web.
Wenn man Glück hat, gibt es wenigsten kurze Trailer (Freilandeier, Ferien, Outsourcing), gelegentlich nur Szenenbilder (Dreckmonster, Rasende Liebe), manchmal konnte ich nicht mal die finden (Wigald, Achterbahn).
Seltsamerweise haben die am professionellsten erstellten Filme die geringste Internetpräsenz. Ob es wohl rechtliche Gründe dafür gibt, diese Filme dem grossen Internetpublikum vorzuenthalten? Eigentlich sollte man doch annehmen, dass ein Kurzfilmer eine möglichst grosse Verbreitung seines Werkes anstrebt.
Hier nun aber doch ein paar Links zu Seiten, auf denen man man sich komplette Kurzfilme anschauen kann, ein etwas eingeschränktes Best of sozusagen:
- Rache, Engel
Nur für starke Nerven. - Colorful EU
Kurz und knackig. - Video 3000
Der Bauch ist gut getroffen. - Snowbody
Einfach nur hübsch. - Kein Platz für Gerold
Richtig aus dem Leben gegriffen, aber wer hält die Kamera?
Das ist natürlich nur ein kleiner Einblick in das Festivalprogramm, von malerisch bis verstörend war alles dabei und ich bin ziemlich gespannt, welche Filme heute Abend die Preise abräumen werden.
Links zum Artikel "Best of shnit":
Die Welt ist in Ordnung
Gott sei Dank, es waren nicht die Schweizer. ;-)
Im mit „Chaoten: Man spricht Hochdeutsch” überschriebenen Artikel im Innenteil erfährt man dann aber, dass unter den zweiundvierzig in Bern Festgenommenen genau ein Ausländer war: Ein Franzose.
Passend zum Thema gebloggt:
Links zum Artikel "Die Welt ist in Ordnung":
Ebola auf dem Labortisch
Unter dieser Überschrift berichtet die Süddeutsche über einen Fall, bei dem an einer amerikanischen Universität Experimente mit dem Ebola-Virus unter ungenügenden Sicherheitsbedingungen durchgeführt wurden.
„Der wohl haarsträubendste Vorfall: Bis in den Sommer 2006 unterliefen Forscher an der University of Wisconsin die Sicherheitsvorkehrungen, während sie am Erbgut des Ebola-Virus herumwerkelten, einem der gefährlichsten Krankheitserreger der Welt. Sie manipulierten die Ebola-Viren gentechnisch an einem Laborarbeitsplatz der Sicherheitsstufe drei, obwohl Arbeiten mit diesem hochansteckenden Killer von Gesetzes wegen die maximalen Vorschriften für Biosicherheit erfüllen müssen: Stufe vier. Noch dazu waren die leichtsinnigen Experimente vom Biosicherheitskomitee der Universität abgesegnet.”
Ich möchte diesen Vorfall sicher nicht verharmlosen, aber beruflich bedingt kenne ich mich zumindest ansatzweise mit den verschiedenen Sicherheitsstufen aus. Hochsicherheitslabors der Stufe vier sind aufgrund der aufwändigen Genehmigungsverfahren und der extrem hohen Bau- und Unterhaltskosten sehr selten.
Die Idee, Experimente mit vergleichsweise geringem Risiko, die offiziell in einem S4-Labor durchgeführt werden müssten, in einem S3-Labor durchzuführen, ist also nahe liegend. Um beurteilen zu können, ob so etwas verantwortungslos ist, müsste man das konkrete Experiment (offenbar wurde nicht mit dem Virus selbst, sondern „nur” mit seiner DNA gearbeitet) und die Ausstattung des konkreten S3-Labors genauer betrachten. In der Regel kann man aber davon ausgehen, dass auch Experimentatoren gerne am Leben bleiben und die Leute, die solche Experimente genehmigen, keine vollkommenen Idioten sind.
Unter einer S3-Einrichtung darf man sich auch keineswegs ein normales Labor vorstellen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind in diesen Labors, in denen beispielsweise mit den Erregern von Pest und Milzbrand sowie H5N1 gearbeitet werden darf, ebenfalls beachtlich. Lustigerweise findet sich ein Artikel, der die Arbeit in einem S3-Labor beschreibt, ebenfalls in der Süddeutschen:
„Die Fenster und die Wände halten bei einem Brand 90 Minuten lang den Flammen stand, und das ist gut so. Aus diesem Labor darf nichts nach außen dringen”
Was bleibt also übrig von der Schreckensmeldung von Ebola auf dem Labortisch? Ein Haufen falscher Assoziationen beim Leser, ein bisschen Panikmache (geschickt unterstützt durch die Wortwahl: haarsträubend
, herumwerkeln
, Killer
, leichtsinnig
) und kaum konkret verwertbare Informationen.
Links zum Artikel "Ebola auf dem Labortisch":
CHF 115.50
Heute war es mal wieder so weit: Die unvermeidliche Billag-Rechnung über die Fernsehgebühren des nächsten Quartals lag im Briefkasten. Und wie immer kommt mir der gleiche Gedanke: Ganz schön teuer, vielleicht hätte ich mich damals nach dem freundlichen Hinweis des Billag-Mitarbeiters doch nicht anmelden, sondern den Fernseher abschaffen sollen.
Aber ein Blick ins heutige Programm von 3sat hat mich wieder mit meinen öffentlich-rechtlichen Sendern versöhnt: Den ganzen Tag lang interessante Reportagen und heute Abend finden sich dann auch noch mit Barbarella und Dark Star zwei absolute Kultfilme auf dem Sendeplan. Dafür zahle zahle ich (diesmal) gerne meine Gebühren.
Schade nur, dass hier heute kein Feiertag ist und ich das tolle Programm erst so spät bemerkt habe.
Links zum Artikel "CHF 115.50":
Was ist eigentlich K3-Fleisch?
Im Moment geistert ein Begriff durch die Medien, den man offensichtlich kennen muss, da er nie erklärt wird: K3-Fleisch.
Bis auf die Tatsache, dass es nicht in einen Döner gehört und als Schlachtabfall anfällt, sind die Informationen darüber ziemlich spärlich. Die Wikipedia kennt K3-Fleisch nicht und auch eine Google-Suche bietet zunächst nur Berichte über verschiedenste Gammelfleisch-Skandale.
Freundlicherweise hat aber das Land Niederösterreich einen von der Knochen- und Fettunion GmbH erstellten Leitfaden zur Kategorisierung von Schlachtnebenprodukten (2,4 MB, PDF) ins Netz gestellt, anhand dessen man sich einen Überblick über die EU-Kategorisierung verschaffen kann.
In dem reich bebilderten Werk erfährt man zum Beispiel, dass K3 die „unekeligste” Kategorie von Schlachtnebenprodukten ist und dass in der Unterkategorie K3a auch Spezialitäten wie Kutteln, Schweinepfötchen und Zunge sowie fast alle gesäuberten Innereien zu finden sind. Freunde von gebratener Leber oder Nierchen sollten sich also bewusst sein, dass sie K3-Material verzehren und genauso gut einen Berliner Döner essen könnten.
Die Berichterstattung über K3-Fleisch taugt also nur bedingt, was den Ekelfaktor angeht, wenn nicht auch zwischen K3a, K3b und dem wirklich ekligen K3c unterschieden wird. Dass jemand K3c-Rinderfell unwissentlich zu einem Döner verarbeitet, vermag ich mir allerdings auch kaum vorstellen, wahrscheinlicher ist, dass es sich um K3b-Stichfleisch oder um Retouren-Fleisch gehandelt hat, welches ebenfalls in die Kategorie 3 fällt (K3f).
Die gefüllten Därme, die man in manchen Berichten zum Gammelfleischskandal dekorativ in einem Container mit Schlachtabfällen schwimmen sieht, gehören übrigens zur Kategorie K1 und sind ein ganz anderes Thema.
Überblick über die K3-Untergruppen:
K3a: Schlachtkörperteile, die nach dem Gemeinschaftsrecht genusstauglich sind, die jedoch aus kommerziellen Gründen nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt sind.
K3b: Schlachtkörperteile, die als genussuntauglich abgelehnt werden, jedoch keine Anzeichen einer auf Mensch oder Tier übetragbaren Krankheit zeigen, und die von Schlachtkörpern stammen, die nach Gemeinschaftsrecht genusstauglich sind.
K3c: Häute, Hufe, Hörner, Schweineborsten und Federn von Tieren, die nach einer Schlachttieruntersuchung, aufgrund deren sie nach dem Gemeinschaftsrecht für die Schlachtung zum menschlichen Verzehr geeignet sind, in einem Schlachthof geschlachtet werden.
K3d: Blut von anderen Tieren als Wiederkäuern, die nach einer Schlachttieruntersuchung, aufgrund deren sie nach dem Gemeinschaftsrecht für die Schlachtung zum menschlichen Verzehr geeignet sind, in einem Schlachthof geschlachtet werden.
K3e: Tierische Nebenprodukte, die bei der Gewinnung von für den menschlichen Verzehr bestimmten Erzeugnissen
angefallen sind, einschließlich entfetteter Knochen und Grieben.
K3f: Ehemalige Lebensmittel tierischen Ursprungs oder Erzeugnisse tierischen Ursprungs enthaltende ehemalige Lebensmittel, außer Küchen- und Speiseabfällen, die aus kommerziellen Gründen oder aufgrund von Herstellungsproblemen oder Verpackungsmängeln oder sonstigen Mängeln, die weder für den Menschen noch für Tiere ein Gesundheitsrisiko darstellen, nicht mehr für den menschlichen Verzehr bestimmt sind.
K3g - K3l sind im Anhang des PDFs zu finden, für den Döner-Fall aber kaum relevant.