Gehacktes bei Spiegel online
Wenn ich am LHC forschen würde, wüsste ich nicht, ob ich mich über die Medien amüsieren oder grün und blau ärgern sollte.
An „Gottesteilchen“, „Urknall-Maschine“ und ähnlichen Quark hätte ich mich bestimmt mittlerweile gewöhnt, aber wie reagiert man angemessen auf den neusten Coup Deutschlands beliebtester Boulevard-Internetseite?
Spiegel online (Screenshot vom 13.09.)
Wenn man diesen Bericht aus dem Spiegel-Wissenschaftsressort(!) mit der entsprechenden Heise-Meldung vergleicht, kann man sich bloss fragen, ob die beim Spiegel wirklich so doof oder einfach nur unverantwortlich sind.
Ich glaube, ich würde mich für das Ärgern entscheiden.
Update (14.09.2008):
Der Angestellte mit funktionierendem Bullshit-Detektor muss den Dienst angetreten haben, mittlerweile hat auch bei Spiegel online das Wörtchen Website
den Weg in den Artikel gefunden. Die Stellungnahme des CERNs zum Vorfall fehlt aber immer noch.
Ältere Blogeinträge zum LHC:
Links zum Artikel "Gehacktes bei Spiegel online":
Trackbacks:
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Mal wieder Gehacktes bei SpON…
Spiegel Online hat sich wieder mal etwas aus der Kategorie “Musste das jetzt wirklich sein?” geleistet. Angeblich sei das Betriebssystem des LHC gehackt worden, fantasierte sich der Autor zusammen…….
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Science-Flop bei n-tv…
Und da dachte ich schon, die “Hacker dringen in LHC-System ein”-Geschichte wäre nach der Gegendarstellung des SPIEGEL endlich vom Tisch. Aber weit gefehlt……

Ich würde gegen “oder” plädieren.
Vielleicht passt dazu die aktuelle Folge aus der Reihe “Die nie veröffentlichten Leserbriefe des Stefan R.”:
Wer fürchtet sich vorm Schwarzen Loch?
Der Mensch verfällt immer mehr seiner Sucht nach Verblödung. Einen neuen Beweis dafür liefert die Berichterstattung über das CERN-Experiment.
Ich argumentiere hier weder für noch gegen das Experiment selbst, dazu ist die Leserbriefseite kein geeigneter Ort. Mir geht es um die Berichterstattung darüber.
Erst spielt man mit bei dem irrationalen Spiel mit der Angst: “Wer fürchtet sich vorm Schwarzen Loch”. Natürlich ohne (sich) über Hintergründe und Tatsachen zu informieren. Und dann stimmt man ein in das Jubelgeschrei vom “Bilderbuchstart”, und plappert nach, was der zum Gärtner gemachte Bock verkündet – offenbar auch in verblödender Absicht.
Wobei dieser so bewundernswert erfolgreiche Start des Experiments ja offensichtlich nur ein teilweiser ist: bis jetzt sind die lieben kleinen Protonchen ja erst in einer Richtung durch die Röhre gerast. Das ist wie wenn der ÖAMTC einen Crashtest veranstaltet – mit nur einem Auto…
Ich will und kann nicht beurteilen, wie absurd die Bedenken der LHC-Gegner wirklich sind. Aber eins steht fest: dass diese Art der Berichterstattung absurd ist. Unbegründete Panikmache, und dann unbegründete Entwarnung. Wie gesagt: der Mensch möchte anscheinend verblödet werden…
Hallo Stefan,
darf man fragen, welches Medium den Leserbrief nicht veröffentlicht hat?
An der LHC-Berichterstattung zeigt sich ein generelles Problem des „Mainstream-Wissenschaftsjournalismus“. Er muss halt seinen Teil zur Auflage beitragen, griffige Phrasen und das grosse Spiel mit Ängsten ist da halt hilfreich. Interessant zu dem Thema ist auch folgender Blogartikel aus den Scienceblogs: LHC, Schwarze Löcher und gerufene Geister.
Als Forscher lebt man im Umgang mit den Medien in einem ziemlichen Spannungsfeld: Auf der einen Seite muss man seine Forschung gut verkaufen und zum Teil auch rechtfertigen, da sie ja meist mit öffentlichen Geldern finanziert wird, auf der anderen Seite können Laien oft die Begeisterung für einzelne Details nicht nachvollziehen, weil ihnen der wissenschaftliche Hintergrund fehlt. Im Werben um Aufmerksamkeit kann dann einiges schief gehen, wenn aus der Suche nach dem Higgs-Boson gleich das Urknall-Experiment oder aus der biologischen Grundlagenforschung jedes mal ein vielversprechender Weg zu einem neuen Krebsmedikament wird.
Nichts liegt mir ferner, als die Medien aus ihrer Pflicht zu nehmen, aber etwas müssen die Wissenschaftler, Forschungseinrichtungen und Universitäten sich auch an die eigene Nase fassen (siehe auch Wissenschafts-PR in Deutschland: Zwischen Langeweile und Lüge).
Bei n-tv haben sie es leider immer noch nicht begriffen:
http://www.n-tv.de/Strompanne_im_CERN_LHC_abgeschaltet/180920080013/1025452.html
(siehe auch: http://www.scienceblogs.de/frischer-wind/2008/09/scienceflop-bei-ntv.php)
Ich habe heute im lokalen Gratisblättchen auch schon wieder die Schlagzeile gehabt.
Ohne Superlativ und/oder Katastrophenmeldung scheint es nicht zu gehen …
@Zapp: Und auch im Gratisblättchen ganz am Ende des Artikel wieder ein ominöser Hinweis auf den vermeintlichen “Hackerangriff”:
“Hackerangriff” scheint offenbar ein so cooles Buzzwort zu sein, dass man es einfach nicht aus der Berichterstattung nehmen kann, Realität hin oder her…
Na ja, den mag ich ihnen nicht wirklich übel nehmen, immerhin war es einer, wenn ich nur gegen eine Website. Oder waren es eher Cracker statt Hacker? ;-)
Sie haben immerhin auch jemanden vom CERN zu Worte kommen lassen, so gesehen ist das fast schon brauchbarer Journalismus.
Ich komme ja selbst aus der Biotechnologie-Ecke, meine Erwartungen an den populären Wissenschaftsjournalismus sind aufgrund meiner Erfahrungen mit der Gen-Berichterstattung schon ziemlich niedrig. Mit einem Mitarbeiter vom CERN habe ich mal gefrotzelt, dass es schon fast schön ist, dass auch mal eine andere Wissenschaft im Fokus des öffentlichen Misstrauens steht.
> darf man fragen, welches Medium den Leserbrief nicht veröffentlicht hat?
Klar.
…
;-)
Also das werden sein: ooen.at und krone.at
Bei der Krone wundert mich der Nichtabdruck allerdings nicht im geringsten, das andere Blatt kenne ich mal wieder nicht.
Die journalistische Schlacht um die besten Superlative geht übrigens unvermittelt weiter. In einem aktuellen Artikel bei Spiegel online heisst es:
Der (Bildunterschrift SpOn) dürfte für einen Beobachter im Beschleunigertunnel während eines Experiments das kleinste Problem sein. Er wäre diesem immerhin nur im Fall eines schweren Fehlers im Beschleuniger ausgesetzt, die harte Bremsstrahlung, die der Beschleunigerring zwangsweise immer emittiert, trifft ihn aber auf jeden Fall.
Überhaupt klingt der ganze Artikel so, als ob ihnen beinahe der ganze Ring um die Ohren geflogen wäre, statt dass ein Bauteil versagt hat. Die lange Ausfallzeit ist eben nicht durch die Grösse des Schadens, sondern durch die lange Aufheiz- und Abkühldauer der Ringsegmente zu erklären. Aber das klingt ja nicht so toll, wie der ausser Kontrolle geratene mörderische Teilchenstrahl.
Tja.
Immerhin läuft ja auch Episode 1 dieses Wochenende.
Da kann man´s schon mit der Angst zu tun kriegen, wenn die sich dort mit der dunklen Seite der Macht verbünden … ;-)