SPON ist die Jugend wohl nicht schlimm genug
„Der Umgang mit Hardcore-Porno-Filmchen, die auf Teenager-Handys kursieren, trägt in der Schweiz erste Früchte: Einem Bericht zufolge gehen Jugendliche heutzutage lieber ins Bordell als ins Kino oder in die Eisdiele.”
So leitet Spiegel Online den Artikel Minderjährige Freier - Teenager gehen gern ins Bordell ein, in dem sich die Autoren auf einen Bericht in der heutigen Ausgabe der Schweizer 20minuten beziehen. Wo sie in dem betreffenden Artikel (Trend: Teenager als Bordellgäste) die Aussage gefunden haben, dass Jugendliche mittlerweile lieber ins Bordell als ins Kino gehen, ist mir allerdings schleierhaft.
Vielmehr findet sich in der Schweizer Gratiszeitung ein paar Seiten hinter dem Bordell-Artikel folgendes: Neun von zehn Jugendlichen gehen sehr gerne ins Kino.
Da drängt sich doch nun die Schlussfolgerung auf, dass in der Welt von Spiegel Online zehn von zehn Jugendliche gerne in den Puff gehen.
Schade, dass ein durchaus interessantes Thema («Oft verlangen sie Praktiken, wie man sie aus den Internet- und Handy-Pornos kennt, die unter den Jugendlichen kursieren.») unbedingt auch noch billig aufgebauscht werden muss.
Interessant, interessant.
Ich frage mich nur gerade, ob Du das Zitat im letzten Satz an die richtige Stelle gesetzt hast. *grübel*
Du meinst zum „aufbauschen” hätte es besser gepasst?
Das Zitat selbst ist ja zunächst mal nur die einzelne Beobachtung eines Milieu-Beraters (was auch immer das sein mag). Aber inwieweit das ein echter, signifikanter Trend und nicht vielleicht nur ein Einzelbefund oder eine falsche Wahrnehmung ist, wäre für mich die eigentlich interessante Frage. Eine statistisch aussagekräftige Unteruschung zur Zahl der Bordellbesuche Jugendlicher wäre auch nicht schlecht.
Während 20min die ganze Sache aber noch halbwegs objektiv darstellt, besteht die einzige Eigenleistung von SPON darin, die Beobachtungen endgültig zu verallgemeinern, aufzubauschen und auch gleich die passende Ursache zu postulieren. :-(
Oder habe ich dich mal wieder falsch verstanden?
Nein, Du hast mich richtig verstanden, ich hatte wirklich überlegt, ob Du es hinter das aufgebauscht hattest stellen wollen, da ich das Zitat an sich schon verdächtige plakativ sein zu wollen (“oft”).
Denn in der Tat frage ich mich bei solchen Berichten auch immer, wie wirklichkeitsgetreu sie sind. Dass es solche Entwicklungen bei Jugendlichen gibt wurde mir aus meinem Freundeskreis von Leuten bestätigt, die mit benachteiligten Jugendlichen arbeiten. Wie Du bereits geschrieben hast, ist die Frage ja, wie ausgeprägt das Phänomen ist und hier traue ich den Medien kein Stück über den Weg.
Aber das der Spiegel es aufbauscht überrascht mich ja kein Stück. Und das mich das nicht überrascht ist schon traurig genug…