DSDS: Wer’s glaubt …
Diese Vorcastings seien ausschließlich aus praktischen Gründen eingerichtet worden: "Es ist zeitlich unmöglich, binnen weniger Wochen alle Kandidaten vor der DSDS-Jury singen zu lassen", sagt RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer. Die Auswahl derer, die vor die DSDS-Jury kommen, solle einem repräsentativen Gesamtdurchschnitt aller Bewerber entsprechen: "Dazu zählen die talentierten Sänger ebenso wie die weniger talentierten", so Eickmeyer.
Die RTL-Sprecherin stellt klar: "Ein antizipiertes Bloßstellen gibt es bei DSDS nicht."
An dieser Stelle möchte ich mal einen Lesetipp unterbringen:
Wer sich auch nur ansatzweise eine Meinung über DSDS und ähnliche Castingshows bilden möchte, sollte unbedingt einen Blick in den Roman Chart Throb von Ben Elton werfen. Danach sieht man solche Aussagen in einem ganz anderen Licht.
Im Roman werden die Kandidaten bereits bei der allerersten Sichtung in drei grosse Gruppen eingeteilt und vom Sender entsprechend aufgebaut und verwertet:
Clinger
Verzweifelte, hundertprozentig von sich selbst überzeugte Kandidaten, die überhaupt nicht singen können, aber bei ihrer öffentlichen Demontage grosses Fernsehen machen. Also die Leute, bei denen man sich fragt, warum ihre Eltern oder Freunde sie nicht vom Casting abgehalten haben.
Blinger
Extrovertierte Typen mit grossem Showpotential. Ihnen ist egal, ob sie sich vor der ganzen Nation zum Affen machen, Hauptsache, sie haben eine Bühne zur Selbstdarstellung. Wahrscheinlich die Gruppe, der das Casting am meissten Spass macht.
Minger
Zitat (frei übersetzt): „Die echten Opfer, die Jammergestalten, die Kurzsichtigen mit Glasbaustein-Brille, die Missgestalteten, die Fettleibigen, die geistig Unterbemittelten und die aknegeplagten Nerds.”
Wenn man sich anschaut, wer es bei RTL in die ersten Castingrunden schafft, ist der Roman wohl nicht allzu weit von der Realität entfernt …
Ja, die Chart-Throb-Typologie hat was, absolut. Das Buch macht Spass, trotz aller Tragik.
Und als weiterer Buchtipp: Blind Faith, auch von Ben Elton, und nicht minder einsichtsreich.
Danke für den Buchtipp.
Blind Faith werde ich auch gleich auf die Liste unbestellter Bücher setzen.