Bahnstreik und IKEA
Während heute alle TGV zwischen Bern und Paris ausgefallen sind, habe ich selbst zwei ICE aus bzw. nach Deutschland im Berner Bahnhof gesehen.
Die Franzosen sind offensichtlich die effizienteren Bahnstreiker. ;-)
-
Apropos Bahn: Bislang erntete ich immer Lacher, wenn ich erzählt habe, dass ich mal mit einem Miet-Smart beim schwedischen Möbelhaus war. Seit heute kann ich sagen, dass ich auch mal zu Fuss über Felder und Wiesen hingewandert bin.
Wegen des starken Schneetreibens habe ich für den Rückweg nach Burgdorf dann aber doch den Bus genommen. :-)
tja der gute wahn. dafür das die bahn immernoch ein staatliches unternehmen ist hätte der bahnchef schon längst einen auf seinen deckel bekommen müssen.
ich versteh schon das die deutschen lokführer streicken. immerhin verdienen die ein gutes stück wenniger als ihre ausländischen kollegen. anderer seits bin ich froh nicht mehr im zivildienst zu sein. da wäre ich immernoch auf die bahn angewiesen gewesen.
auch dafür das der bahnchef seine zahlungskräftige industriekundschaft verkrault gehört der meiner meinung nach einen tag an den pranger gestellt. mal sehen wan der sich die nächste gehaltserhöhung bewilligt. der buntetag hat ja schon seine schlankheitspillen aufgestockt.
sag mal zapp gibts bei euch noch platz? ich will hier langsam weg…
gruß Jeff
Ja, als (noch) nicht selbst direkt betroffener fällt es mir natürlich auch leichter, meine Sympathien für die Lokführer zu bekunden.
Um mal einen meiner Forenbeiträge aus der Zeit des vorletzten Streiks zu zitieren:
Ich finde in der aktuellen Situation noch bemerkenswert, dass es die Bahnführung geschafft hat, innerhalb der letzten Jahre/Jahrzehnte das Betriebsklima nachhaltig zu beschädigen. Es gab mal kaum ein anderes grosses Unternehmen, bei dem sich die Mitarbeiter so mit der Firma identifiziert haben, wie bei der Eisenbahn. Mit dem Weg zu Privatisierung und Börsengang ist dieses Zusammengehörigkeitsgefühl verschwunden, nicht zuletzt, weil die Betroffenen aufgrund vielfältigster und nicht besonders sensibel umgesetzter Rationalisierungsmassnahmen das Gefühl bekommen haben, nicht mehr vom Unternehmen wertgeschätzt zu werden. (Man frage mal einen beliebigen Eisenbahner was er von “Bei Entfernungen über 4 Stunden fliege ich lieber”-Mehdorn hält.) Diesen Vertrauensverlust und die damit einhergehende generelle Unzufriedenheit beim Personal muss die Bahn nun ausbaden, ansonsten wären die Forderungen sicher niedriger ausgefallen.
Das hat man gestern auch im heute-journal gesehen, in dem ein deutscher, ein französischer und der Lokführer einer Privatbahn einander gegenübergestellt wurden. Nicht nur, dass der Franzose deutlich mehr verdiente, er wurde auch mehr wertgeschätzt. Der Privatbahner verdiente zwar auch nicht mehr, als sein DB-Kollege, ist aber mit seinem Arbeitsplatz wegen der besseren Planbarkeit (Zulagen wurden ins Grundgehalt übernommen) und dem sicheren Arbeitsplatz zufrieden und meinte es wäre deutlich besser, als bei seinem alten Arbeitgeber, der DB. Unabhängig davon, ob die Forderungen berichtigt sein mögen oder nicht, sind die Gefühle der Mitarbeiter IMHO ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Streikbereitschaft.
In diese Richtung geht auch der Umgang der Bahnführung mit dem Streik:
Zunächst wird von Gericht zu Gericht gezogen, bis endlich eins gefunden wird, das den Streik im Fernverkehr für unverhältnismässig hält. Nachdem dieses Urteil von der nächsten Instanz kassiert wurde, wird nach dem Einschreiten der Kanzlerin “zum Wohle aller” geschrien und nachdem auch das ausgeblieben ist, wird in grossformatigen Anzeigen Stimmung gegen die Gewerkschaft gemacht.
Man erinnere sich ausserdem daran, dass das letzte “Tarifangebot” der Bahn beinhaltete, ab jetzt Überstunden auch zu bezahlen.
Im Vergleich zur Konzernspitze und deren Krisenmanagement ist die GDL IMHO fast ein Hort der Vernunft.
Nachtrag: Via Bildblog noch ein interessanter Artikel zum Umgang der Medien mit dem Bahnstreik: Bahnstreik: Deutsche dafür! Deutsche dagegen!
Auf einen Deutschen mehr oder weniger kommt es mittlerweile wohl auch nicht mehr an. ;-)
Wirf noch mal einen Blick auf die Ergebnisse der letzten Nationalratswahlen. Hier ist (zumindest politisch betrachtet) auch nicht alles super.
ach bei euch gibt es noch genügend berge in denen man die unliebsamen politiker verstecken kann. im winter kann man sie ja als zum schutz vor den skifahrern in ein reservat einsperren.
naja bis die bayern auf so was kommen (und bis unsere führung in bayern angekommen würde) dauert es mindestens noch 3 legislaturperioden.
aber der bahnheini versucht es wirklich auf jedem weg. kahm doch am freitag die meldung dass der die gdl auf 5mio euro verklagen will weil ein streik wohl noch zu zeiten der friedenspflicht statt fand. ich glaub es wollte sich nur kein gericht damit befassen. als ausgleich für die ganze arbeit mit den lokführern steht die nächste gehaltserhöhung schon in den startlöchern…
gruß Jeff