Religion noch Privatsache?
Wenn aber "die Sicherheitsbehörden von einem Übertritt erfahren, sollten sie feststellen, ob es sich um eine liberale und humane Richtung des Islam handelt oder um eine islamistische", sagte der designierte bayerische Ministerpräsident
Klingt ganz nach einer Aktion im Rahmen von Becksteins Kampagne, ein Klima zu schaffen, in dem sich Leute, die sagen: ´Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein´
gut aufgehoben fühlen.
Bei den Assoziationen, die sich mir bei diesem Vorschlag aufdrängen, muss ich mich sehr zurückhalten, um hier im Blog nicht Godwin's Law gelten zu lassen.
1) Zum im Artikel erwähnten Zentralinstitut Islam-Archiv und der Zahl von 4000 Konvertiten 2006 empfehle ich unbedingt „Meinungsstark, aber ahnungslos” aus der Zeit.
Am verlinkten Beckstein-Zitat gefällt mir der Satz “Bei uns haben Kruzifix und Schulgebet ihren Platz in der Schule…” besonders gut. Wann war der das letzte Mal in einer deutschen, aber außerhalb Bayerns gelegenen Schule?
Nee du, wenn ich nicht noch so weiche Knie hätte, würde ich – den Verlauf der derzeitigen Debatten im Kopf – ständig im Zimmer hin und her laufen und immer mal mit dem Kopf gegen Wände und Türrahmen hauen wollen…
Also ich bin stolz, ein deutscher Atheist zu sein. Für Deutsche, die vom politheistischen (Dreifaltigkeits- [und Heiligen-])Christentum zum monotheistischen Islam übertreten, habe ich kein Verständnis. Warum sich dann nicht gleich zum Atheisten emanzipieren? Nach unserer Verfassung sind in Deutschland Staat und Religion getrennt, auch wenn man zum Beispiel an Kirchensteuer, am Religionsunterricht an Schulen und den dort und in Gerichtssälen leider immer noch weit verbreiteten Kruzifixen sieht, dass dem de facto nicht so ist.
Gruß Gernot
Ich auch nicht unbedingt, aber unsere private Meinung zur Sinnhaftigkeit von Religionen ist in diesem Fall ja eigentlich auch irrelevant. Ich finde es einfach erschreckend, dass es offensichtlich schon ausreichen soll, seine Religion zu wechseln, um ins Visier der Sicherheitsorgane zu gelangen ohne sonst irgendeinen Anlass dazu gegeben zu haben.
Soll doch jeder mit seiner Religion glücklich werden, solange er mich damit nicht stört. Aber der Staat soll sich aus persönlichen Entscheidungen bitte auch heraushalten.
Wohl wahr, aber manchmal würde ich mir dabei etwas mehr Konsequenz wünschen. Bei den aktuellen Tendenzen in der Bundespolitik sehe ich da einiges an Arbeit auf das Bundesverfassungsgericht zukommen.
Jetzt sind schon zwölf Jahre nach dem Kruzifix-Urteil des Verfassungsgerichts vergangen, das festgestellt hat, dass
verstößt.
Ich warte ja schon sehnsüchtig darauf, dass endlich auch mal entsprechende Gerichtsurteile zur Unvereinbarkeit der staatlichen Handlangerei bei der Eintreibung von Kirchensteuern und dem Anbringen von Kruzifixen in Gerichtssälen ergehen; bisher allerdings vergebens.
Vielleicht bewegt sich da ja mal etwas und ein Moslem traut sich, im Rahmen seiner Klage gegen den Abschlag, den er bei der Berechnung seines Arbeitslosengeldes in Höhe der Kirchensteuer (dem Mitgliedsbeitrag, den die Arbeitsagentur für sein Privatvergnügen bei Mitgliedschaft in einer der anerkannen christlichen Vereine an selbige abführen würde), auch mal gegen die Kruzifixe in den Gerichten mancher deutscher Bundesländer vorzugehen; wegen offenkundig berechtigter “Besorgnis der Befangenheit”.
So einer hätte in diesem Fall genauso meine Hochachtung wie einer, der vom Chistentum zum Islam konvertiert ist und dann gegen seine “Beobachtung” durch die Verfassungsschutzorgane klagt. Das Problem bei vielen Moslems ist aber gerade, dass sie selbst tatsächlich im Gegenteil die Vermengung von Staatswesen und Religion verfechten. (Kalifatsstaat, Scharia)
Gruß Gernot
Deine Klageszenarien haben was.
Na ja, immerhin hätte es gerade in einem Staat mit überwiegend moslemischer Bevölkerung beinahe einen Staatsstreich geben können, weil - überspitzt gesagt - die Frau vom neuen Staatspräsidenten ein Kopftuch trägt. ;-)
Bei der überwiegenden Mehrheit der in Deutschland oder der Schweiz lebenden Moslems hätte ich keine grösseren Bedenken als bei der Mehrheit der CSU-Anhängern.