Was ist eigentlich K3-Fleisch?
Im Moment geistert ein Begriff durch die Medien, den man offensichtlich kennen muss, da er nie erklärt wird: K3-Fleisch.
Bis auf die Tatsache, dass es nicht in einen Döner gehört und als Schlachtabfall anfällt, sind die Informationen darüber ziemlich spärlich. Die Wikipedia kennt K3-Fleisch nicht und auch eine Google-Suche bietet zunächst nur Berichte über verschiedenste Gammelfleisch-Skandale.
Freundlicherweise hat aber das Land Niederösterreich einen von der Knochen- und Fettunion GmbH erstellten Leitfaden zur Kategorisierung von Schlachtnebenprodukten (2,4 MB, PDF) ins Netz gestellt, anhand dessen man sich einen Überblick über die EU-Kategorisierung verschaffen kann.
In dem reich bebilderten Werk erfährt man zum Beispiel, dass K3 die „unekeligste” Kategorie von Schlachtnebenprodukten ist und dass in der Unterkategorie K3a auch Spezialitäten wie Kutteln, Schweinepfötchen und Zunge sowie fast alle gesäuberten Innereien zu finden sind. Freunde von gebratener Leber oder Nierchen sollten sich also bewusst sein, dass sie K3-Material verzehren und genauso gut einen Berliner Döner essen könnten.
Die Berichterstattung über K3-Fleisch taugt also nur bedingt, was den Ekelfaktor angeht, wenn nicht auch zwischen K3a, K3b und dem wirklich ekligen K3c unterschieden wird. Dass jemand K3c-Rinderfell unwissentlich zu einem Döner verarbeitet, vermag ich mir allerdings auch kaum vorstellen, wahrscheinlicher ist, dass es sich um K3b-Stichfleisch oder um Retouren-Fleisch gehandelt hat, welches ebenfalls in die Kategorie 3 fällt (K3f).
Die gefüllten Därme, die man in manchen Berichten zum Gammelfleischskandal dekorativ in einem Container mit Schlachtabfällen schwimmen sieht, gehören übrigens zur Kategorie K1 und sind ein ganz anderes Thema.
Überblick über die K3-Untergruppen:
K3a: Schlachtkörperteile, die nach dem Gemeinschaftsrecht genusstauglich sind, die jedoch aus kommerziellen Gründen nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt sind.
K3b: Schlachtkörperteile, die als genussuntauglich abgelehnt werden, jedoch keine Anzeichen einer auf Mensch oder Tier übetragbaren Krankheit zeigen, und die von Schlachtkörpern stammen, die nach Gemeinschaftsrecht genusstauglich sind.
K3c: Häute, Hufe, Hörner, Schweineborsten und Federn von Tieren, die nach einer Schlachttieruntersuchung, aufgrund deren sie nach dem Gemeinschaftsrecht für die Schlachtung zum menschlichen Verzehr geeignet sind, in einem Schlachthof geschlachtet werden.
K3d: Blut von anderen Tieren als Wiederkäuern, die nach einer Schlachttieruntersuchung, aufgrund deren sie nach dem Gemeinschaftsrecht für die Schlachtung zum menschlichen Verzehr geeignet sind, in einem Schlachthof geschlachtet werden.
K3e: Tierische Nebenprodukte, die bei der Gewinnung von für den menschlichen Verzehr bestimmten Erzeugnissen
angefallen sind, einschließlich entfetteter Knochen und Grieben.
K3f: Ehemalige Lebensmittel tierischen Ursprungs oder Erzeugnisse tierischen Ursprungs enthaltende ehemalige Lebensmittel, außer Küchen- und Speiseabfällen, die aus kommerziellen Gründen oder aufgrund von Herstellungsproblemen oder Verpackungsmängeln oder sonstigen Mängeln, die weder für den Menschen noch für Tiere ein Gesundheitsrisiko darstellen, nicht mehr für den menschlichen Verzehr bestimmt sind.
K3g - K3l sind im Anhang des PDFs zu finden, für den Döner-Fall aber kaum relevant.
…ich denke, heute gibt es Salat… ;-)
Ich habe beim Schreiben des Artikels erst mal wieder richtig Lust auf Nierchen bekommen, man darf bloss beim Essen nicht drüber nachdenken, was man da so auf der Gabel hat. ;-)
Muss ich beim nächsten Besuch in Deutschland direkt mal meine Mutter drauf anhauen, selbst trau ich mich da nicht ran.
Ich habe ja so die leise Hoffnung, dass die im Vergleich zu Deutschland deutlich höheren Fleischpreise in der Schweiz auf die Qualität durchschlagen. Mein soeben gekauftes Rinderhack (12 €/kg, Naturafarm, kein Bio-Fleisch) kommt jedenfalls von (hoffentlich) glücklichen schweizer Auslauf-Rindern.
Hm…Nierchen…so, so… *gg*
Ich weiß nicht warum, normalerweise bin ich wirklich ein pflegeleichter Esser – sprich: ich esse außer Reißzwecken und Rasierklingen so ziemlich alles -, aber bei Innereien habe ich so meine Probleme…^^
Glaube Dir aber gern, dass die Nierchen Deiner Ma bestimmt köstlich sind… ;-)
Lebe ja auf dem Lande, somit kann ich zumindest im Geflügelbereich meinem Abendbrot beim Bauernhof meines Vertrauens noch vorher in die Augen schauen, ob ich das immer möchte, ist eine andere Frage…^^
Selbst würde ich mir wohl auch keine Innereien machen, hier sind einfach Kindheitserinnerungen durchgeschlagen. ;-)
servus zapp,
man da bekomm ich doch mal wieder richtig lust auf leber mit zwiebeln und kartoffelbrei.
ob nun bse im rind, h5n1 in der ente oder gammelfleisch im döner ist… ist doch eine nette auswahl. wer deswegen gleich zum veganer muttiert sollte mal schauen was an pestizieden auf salat und co literweise draufgekippt wird. das ist trotz quietschbunter bio logos nicht wirklich nicht lecker.
da lob ich mir doch meinen garten und das huhn vom nachbarn. da weis ich wennigstens halbwegs was ich auf dem teller hab.
gruß Jeff
p.s. wir sehen uns bei sl
Tja, so “Gammel” ist das dann alles ja doch nicht. Ich dachte mir schon, dass das wiedermal Sensationsmache ist. Vielen Dank deshalb für deine Nachforschungen und die Infos.
Kein Eskimo oder Indianer würde K3-Produkte “Gammel” oder “Ekel” nennen. Das sind doch alles tierische Produkte, die laut dieser Verordnung kein Gesundsheitsrisiko darstellen bzw. darstellen dürfen. Also ist “K3″ an sich noch nix Schlimmes. Schweinskopfsülze… saure Nierchen… Kuttelsuppe… sind dann alle aus K3 (und regionale Spezialitäten!). Welche Kategorie Fleisch genau in ‘nem Döner sein darf, ist mir jetzt aber auch noch nicht klar und eigentlich auch egal. Solange es nicht dubiosen Profitgeschichten dient. Aber das steht auf einem ganz anderen Blatt.
Grüße und nochmals Dank!
Der Vorgang an sich ist IMHO schon ein Skandal. Fleisch, welches nicht zum menschlichen Verzehr geeignet ist (K3a spielt da sicher eine Sonderrolle) als „normales” Fleisch zu verkaufen und so einen riesigen Profit zu machen, ist kriminell. Dass solche Machenschaften in den letzten Jahren immer wieder mehr oder weniger zufällig aufgedeckt wurden, zeigt auch, dass an den Kontrollen etwas geändert werden muss.
Auf einem anderen Blatt steht aber die Berichterstattung über die Vorgänge. Der im Beitrag beschriebene Blick auf die vollen Därme im Abfallcontainer ist mir schon sauer aufgestossen. Auch die exorbitant gute Google-Platzierung meines kleinen Blogeintrages ist ein Indiz dafür, dass hier ein Defizit bei den etablierten Medien besteht. Hinter dem Suchen nach Sensationen und Skandalen ist die sachliche Berichterstattung halt mal wieder zurückgeblieben.
Nachtrag:
Immerhin ist mittlerweile auch in der Netzeitung etwas zu finden: Hintergrund: K3-Material
Der entsprechende Artikel (© 2007 The Associated Press) ist wohl heute über den Agenturticker gelaufen und dürfte bald in den verschiedensten Online-Zeitungen auftauchen.
Vielen Dank für Deine Information zum Thema K3. Aber ich kapiere immer noch nicht, warum K3a-Material laut Definition nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt ist, aber überall angeboten wird (z. B. Innereien)
Vornweg: Ich bin auch kein Schlachtexperte und vielleicht fragst du mal deinen Metzger, der sollte sich da wirklich auskennen.
K3a-Ware ist ja ausschliesslich . Ich nehme an, dass der Schlachthof bzw. Metzger selbst festlegen kann, ob seine Innereien aus wirtschaftlichen Gründen unter K3a fallen sollen oder nicht. K3-Ware würde ein Organ also erst, wenn es auch im Container mit der Aufschrift K3 gelandet ist.
Hey Herr Verfasser!!!
Cool gemachter Bericht, gut nachgeforscht und Hut ab.
Mal ein Bericht der Objektiv auf das Thema schaut.
Grüsse auch aus der Schweiz.Hab Beruflich ab und an mit dem Material zu tun…