Ausländerprobleme - Zapps Blog

Direkt zum Inhalt




Ausländerprobleme

  • 36 Prozent der Bevölkerung glaubt, dass die Ausländer den Einheimischen den Job wegnehmen. Im Osten und bei den 15- bis 34-Jährigen sind es sogar deutlich über 40 Prozent.
  • 45 Prozent der Bevölkerung ist der Meinung, dass die Ausländer unsere Löhne drücken.

Klingt wie eine Umfrage zur EU-Osterweiterung in Deutschland?
Weit gefehlt, die Zahlen entstammen einer Umfrage des Schweizer Boulevardblattes Blick (1), ich habe lediglich "Deutsche" durch "Ausländer" ersetzt.

In der letzten Woche wurde der Schweiz durch eine Artikelserie dieser Zeitung eine Diskussion über das "Deutschenproblem" aufgezwängt. Tatsächlich ist die Schweiz eines der beliebtesten Auswanderungsländer für Deutsche und in manchen Berufszweigen ist das Schweizerdeutsch fast zur Ausnahme geworden. In den Kliniken sind Deutsche Ärzte und Schwestern die Regel und auch an den Universitäten sind viele Deutsche angestellt, so auch ich.

Wirtschaftlich gesehen gibt es für die Schweizer eigentlich keinen Grund zur Sorge, die Einwanderer sind in der Regel hoch qualifiziert und füllen Lücken, die durch die Schweizer Arbeitnehmer nicht gefüllt werden können. In meiner Zeit in Bern haben wir zum Beispiel sieben Doktoranden- und PostDoc-Stellen mit externen Leuten neu besetzt. In sechs Fällen gab es entweder keine Bewerbungen von Schweizern, oder sie waren aufgrund fehlender Qualifikation schon vor dem Vorstellungsgespräch aus dem Rennen. So sind dann halt vier Deutsche, ein Holländer, eine Ukrainerin und ein Schweizer eingestellt worden. Ein weiterer Schweizer ist nach seiner Diplomarbeit als Doktorand bei uns geblieben.

Interessant ist es aber schon, bei der Ausländerdiskussion mal auf der anderen Seite zu stehen. Mir selbst ist allerdings auch noch nie eine wirklich ablehnende Haltung entgegen geschlagen (2), und ich fühle mich in der Eidgenossenschaft ausgesprochen wohl. Ganz im Gegensatz zu meinen Schweizer Kollegen bin ich auch der Meinung, dass die Menschen hier insgesamt freundlicher sind als in Deutschland. Aber vielleicht beruht das auch nur auf selektiver Wahrnehmung, weil ich immer so eine Freude an den freundlich grüssenden und meistens lächelnden Verkäuferinnen beim Coop habe.

Ich halte es da ganz mit dem Schweizer Germanisten Peter von Matt, der in einem sehenswerten Interview meinte:
Es gibt hier wirklich kein Problem.

Übrigens:

  • 43% der Schweizer halten die Deutschen für arrogant

Liebe Mitdeutsche, da müssen wir wohl noch etwas dran arbeiten. Aber immerhin meinte mein ehemaliger Diplomand mal, ich hätte sein Deutschen-Bild ziemlich verändert. Ich hoffe mal zum Guten ;-)

  1. 1) Der Blick ist das Schweizer Gegenstück zur Bild, wird aber nicht vom Axel-Springer-Verlag herausgegeben.
  2. 2) Na ja, vielleicht doch einmal. Beim WM-Halbfinale hätte schon nicht die ganze Kneipe wie ein Mann aufspringen und jubeln müssen, als in allerletzter Sekunde das Italien-Tor gegen Deutschland gefallen war. Fussball ist eher ein heikles Thema.

Trackbacks:

  1. 1 · Zapps Blog am 4. Oktober 2007, 09:32 Uhr

    Wahlk(r)ampf…

    Wie ich schon mal geschrieben habe, sehe ich die Schweiz nicht als ein Land von Ausländerfeinden, schon gar nicht als Europe’s heart of darkness. Auch dass es in einem Land mit einem Ausländeranteil von über 20% (Deutschland: 9%) immer …


Ergänzungen, Fragen, Kritik oder Lob?

Hier kannst du alles loswerden.

  •  (notwendig, zur Spamabwehr)
Folgende XHTML-Tags können im Kommentar benutzt werden:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <img src="" alt="" width="" height=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>